To the main navigation

reading duration:

Share via:

Naturschutz

50 Jahre Naturschutzgebiet „Schlierbach-Kohlrain“ (Landkreis Heilbronn)

Regierungspräsidentin Bay: „Schlierbach-Kohlrain ist eines der vielseitigsten Naturschutzgebiete im Heilbronner Unterland“

reading duration:

Share via:

Blütenteppich im Frühjahr - Der Hohle Lerchensporn wächst im Auwald.

Vor 50 Jahren wurde das Naturschutzgebiet „Schlierbach-Kohlrain“ im Fünfmühlental unter Schutz gestellt und damit dauerhaft bewahrt. Der Bannwald und der Jüdische Friedhof Heinsheim machen das Gebiet bis heute zu einem einzigartigen Zeugnis von Naturgeschichte und kulturellem Erbe.

Das Naturschutzgebiet „Schlierbach-Kohlrain“ bei Bad Rappenau ist dieses Jahr 50 Jahre alt geworden. Mit der Unterschutzstellung im Jahr 1975 hat das Regierungspräsidium Stuttgart das naturnahe und eindrucksvolle Fünfmühlental dauerhaft gesichert. Hier reihen sich auch heute noch fünf historische Mühlen entlang des Mühlbachs aneinander. Der Name des Schutzgebiets leitet sich von seinem Seitenbach, dem „Schlierbach“, und dem Gewann „Kohlrain“ ab. Besonderheiten des Naturschutzgebiets sind ein sogenannter „Bannwald“ und der kulturhistorisch bedeutsame Jüdische Friedhof Heinsheim.

Das waldige Tal wird vom Mühlbach, einem Nebenbach des Neckars, durchflossen. Auf der rechten Talseite erstreckt sich das Naturschutzgebiet, das von dem windungsreichen Bach, ursprünglichen Wäldern und zwei schroffen Klingen beziehungsweise steilen, schmalen Talrinnen geprägt wird. Hier befindet sich auch der Jüdische Friedhof Heinsheim, dessen Ursprünge vermutlich auf das 16. Jahrhundert zurückgehen. Wie viele jüdische Begräbnisstätten liegt er außerhalb einer Ortschaft.

Regierungspräsidentin Susanne Bay betonte: „Mit der Unterschutzstellung vor 50 Jahren haben wir eine Verantwortung übernommen, die bis heute besteht: das Fünfmühlental in seiner natürlichen, historischen und kulturellen Einzigartigkeit zu bewahren. Der Bannwald und der Jüdische Friedhof Heinsheim machen das Gebiet zu einem außergewöhnlichen Zeugnis unserer Landschaft und unserer Geschichte. Dieses Jubiläum ist für uns Ansporn und Bestätigung, den eingeschlagenen Weg des Schutzes derartiger Gebiete konsequent weiterzugehen.“

Herzstück des Naturschutzgebiets ist ein „Bannwald“, der den Großteil der Flächen einnimmt. Hier wird bereits seit etwa 55 Jahren der Wald sich selbst überlassen. Bäume entwickeln sich ungestört und ungenutzt bis zu ihrem natürlichen Lebensende, das für viele Insekten- und Pilzarten wichtige Totholz bleibt dem Ökosystem erhalten. Für die Verjüngung der Gehölze sorgt die Natur selber. So entwickelt sich ein „Urwald von morgen“. Der Bannwald fasziniert durch mächtige Eichen und Buchen, Moose, Farne, Pilze und Flechten. Im Frühjahr sind die bachbegleitenden Erlen-Eschenwälder teils übersät von Hohlem Lerchensporn, Gelbem Windröschen und Scharbockskraut. In den schattig-feuchten Klingen vervollständigt der Gelappte Schildfarn das märchenhaft anmutende Ensemble.

Um auch angrenzende, ökologisch und kulturhistorisch wertvolle Flächen zu schützen, erweiterte das Regierungspräsidium Stuttgart vierundzwanzig Jahre nach der Ausweisung das Schutzgebiet von 23 auf 40 Hektar. Seither gehören auch der Mühlbach und bachbegleitende Auenwiesen sowie auf der Hochfläche Waldränder, Feldhecken, extensiv bewirtschaftete Wiesen und der Jüdische Friedhof Heinsheim zum Schutzgebiet. 

Hintergrundinformationen

Nach dem Naturschutzgesetz können auch kulturhistorische Besonderheiten in ein Naturschutzgebiet einbezogen werden. So geschehen beim Jüdischen Friedhof Heinsheim, der sich im Osten des Naturschutzgebiets befindet, unmittelbar neben der tiefen Kerbe des Schlierbachs. Der gut erhaltene Friedhof ist einer der größten und ältesten in Süddeutschland. Es handelt sich um einen „Verbandsfriedhof“, den zeitweise bis zu 25 jüdische Gemeinden zwischen Eppingen, Bad Wimpfen und Mosbach nutzten. Der älteste der über tausend überwiegend aus regionalem Keupersandstein gefertigten Grabsteine stammt aus dem Jahr 1598. Das letzte Begräbnis fand 1937 statt. Eine außergewöhnliche Vielfalt an Formen und Baustilen können Besuchende hier betrachten. Die eingemeißelten Inschriften und Symbole lesen sich wie ein Lebenslauf: Name und Charaktereigenschaften der Verstorbenen, ihre Stellung in der Gemeinde, Herkunft, Beruf und Todestag sind überliefert. Während der Zeit des Nationalsozialismus sollte der Friedhof eingeebnet und landwirtschaftlich genutzt werden, was glücklicherweise verhindert werden konnte. 

Eine Besichtigung ist im Rahmen von Führungen möglich. Auskünfte erteilt die Tourist-Information der Stadt Bad Rappenau.

Hinweise für Besucherinnen und Besucher

Das Fünfmühlental kann von Süden vom Wanderparkplatz bei der Kugelmühle oder von Norden von der Siegelsbacher Mühle (jeweils Parkmöglichkeiten vorhanden) erwandert werden. In Richtung Jüdischer Friedhof führt von der Kugelmühle ein idyllischer Weg durch den Bannwald. 

Im Bannwald ist besondere Vorsicht geboten, denn hier können jederzeit Äste abbrechen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist das nicht nur bei Sturm der Fall, sondern auch nach längerer Trockenheit, denn auch dann werfen alte Bäume vermehrt Äste ab. Die Gefahr lässt sich reduzieren, indem Besucherinnen und Besucher auf den Wegen bleiben. Auch vor diesem Hintergrund ist es ratsam, dass Radfahrer auf dem befestigten Weg direkt westlich des Naturschutzgebietes bleiben. Innerhalb des Naturschutzgebietes befinden sich keine befestigten Wege. Daher ist das Radfahren dort nicht erlaubt. Reiten ist im Naturschutzgebiet nicht gestattet und Hunde müssen zum Schutz wild lebender Tiere angeleint werden.

Publikationen

Das Faltblatt „Naturschutzgebiet Schlierbach-Kohlrain“ ist über das Regierungspräsidium Stuttgart kostenlos erhältlich. Eine digitale Version des Faltblatts ist auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Stuttgart unter Über uns > Abteilung 5 – Umwelt > Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart > Falt- und Informationsblätter abrufbar.

Eine Veröffentlichung zum Bannwald „Schlierbach“ kann dem Naturführer Kraichgau entnommen werden.

Mehr Informationen zu Naturschutzgebieten sind auf dem gemeinsamen Themenportal der Regierungspräsidien Baden-Württemberg unter www.rp.baden-wuerttemberg.de > Umwelt > Naturschutzgebiete abrufbar.

Anlagen

Bild 1: Im „Bannwald“ kann sich der Wald ungestört entwickeln. Totholz ist ein bedeutender Lebensraum für viele Organismen. Fotos: RPS/Verena Gal (JPG)
Bild 2: Im „Bannwald“ kann sich der Wald ungestört entwickeln. Totholz ist ein bedeutender Lebensraum für viele Organismen. Fotos: RPS/Verena Gal (JPG)
Bild 3: Blütenteppich im Frühjahr - Der Hohle Lerchensporn wächst im Auwald.  Foto: Wolf-Dieter Riexinger (JPG)
Bild 4: Der Jüdische Friedhof Heinsheim im Naturschutzgebiet „Schlierbach-Kohlrain“.  Foto: Wolf-Dieter Riexinger (JPG)

Back