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Pflanzaktion am Jagstufer (Landkreis Schwäbisch Hall)
Naturschutz- und Fischereibehörden pflanzen Auwald an der Jagst bei Elpershofen
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Entlang der Jagst bei Elpershofen haben das Regierungspräsidium Stuttgart und andere Naturschutz- und Fischereibehörden gemeinsam eine Pflanzaktion durchgeführt. Der neue Auwald soll den bedrohten Lebensraum stärken, Gewässer abkühlen und Fischarten besser vor den Folgen des Klimawandels schützen.
Am 27. November 2025 fand eine gemeinsame Pflanzaktion der Referate 56, 53.1 und 33 im Regierungspräsidium Stuttgart, des Landschaftserhaltungsverbandes Schwäbisch Hall, der Fischereihegegemeinschaft Jagst sowie dem Umweltzentrum Schwäbisch Hall an der Jagst in Elpershofen statt.
Anlass der Aktion war ein gemeinsamer Ortstermin mit Regierungspräsidentin Susanne Bay im Sommer 2024, bei dem von Seiten der Fischereihegegemeinschaft Jagst die strukturellen und ökologischen Probleme an der Jagst vorgetragen wurden. Die Fischereihegegemeinschaft Jagst regte im Rahmen des Termines an, verstärkt Auwälder entlang des Gewässerufers zu pflanzen, da diese insbesondere im Landkreis Schwäbisch Hall auf weiter Strecke fehlen. Der Pflanztermin bildete den Auftakt für weitere geplante Auwaldpflanzungen entlang der Jagst.
Regierungspräsidentin Susanne Bay betonte anlässlich der Pflanzaktion: „Auwälder gehören zu den wichtigsten, aber zugleich auch zu den stark bedrohten Lebensräumen in Europa. Mit dieser Auwaldpflanzung wird die Lücke zwischen zwei bereits bestehenden Auwaldstreifen geschlossen. Langfristig können dadurch rund 70 Prozent des Jagstabschnittes im Bereich des Elpershofener Wehrs beschattet werden. Die gemeinsame Aktion ist ein wichtiger Beitrag für den Erhalt des geschützten Lebensraumtyps und sichert damit die Lebensgrundlage vieler an Gewässer gebundene Arten. Mein herzlicher Dank gilt allen, die bei diesem wertvollen Auftakt so engagiert mitgewirkt haben.“
Die Europäische Union hat die Auwälder auch im sogenannten Schutzgebietsnetz NATURA 2000 als prioritär zu schützenden Lebensraumtyp festgelegt. Im letzten Bericht der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) wurde der Erhaltungszustand des Lebensraumtyps „Auwald“ in Baden-Württemberg allerdings als unzureichend-ungünstig eingestuft. Er folgt somit dem bundesweiten Trend, wonach die Zukunftsaussichten der Auwälder ebenfalls als ungünstig-schlecht bewertet wurden.
Der Auwald als dynamischer Lebensraum spielt entlang von Flüssen und Bächen eine zentrale Rolle in der Ökologie von Fließgewässern. Er bietet zahlreichen Arten einen wertvollen Lebensraum und leistet einen unverzichtbaren Beitrag im Klimaschutz.
„Mit fortschreitendem Klimawandel steigt die Bedeutung intakter Auwaldstreifen an“, erklärt Markus Hannemann von der Fischereihegegemeinschaft Jagst. „Denn eine häufig übersehene Funktion von Auwäldern ist ihr Beitrag zur Abkühlung von Fließgewässern. Durch ihren dichten Baumbestand spenden sie Schatten und reduzieren die direkte Sonneneinstrahlung auf Flüsse und Bäche. Dadurch erwärmen sich die Gewässer langsamer, was die Belastung der hier lebenden heimischen Fischarten verringert – dies ist ein entscheidender Faktor angesichts zunehmender Hitzeperioden.“
Die mit den großen Temperaturschwankungen einhergehenden Auswirkungen, wie der stark schwankende Sauerstoffgehalt, belasten die Fische in der Jagst seit Jahren massiv. Die Belastungen machen sich neben den Fischarten der Familie der Lachse, zu denen auch zum Beispiel Forellen zählen, mittlerweile auch bei anderen strömungsliebenden Fischarten wie Nase und Barbe bemerkbar. Neben der Erwärmung führt die übermäßige Sonneneinstrahlung zu weiteren negativen Auswirkungen, wie der verstärkten Bildung von Schweb- und Fadenalgen. Diese setzen sich im Kies der Gewässersohle ab und entwerten damit essenzielle Laichplätze für Kieslaicher.
Hintergrundinformationen:
Hinsichtlich des Schutzes und der Entwicklung von Auwäldern besteht dringender Handlungsbedarf. Durch Flussbegradigungen, intensive Landnutzung und Bebauung sind die Auwälder an unseren Fließgewässern auf wenige Restflächen geschrumpft. Der Klimawandel verstärkt den Druck auf diese sensiblen Ökosysteme zusätzlich. Maßnahmen zur Wiederherstellung intakter Auwälder und Auwaldstreifen sind daher essenziell für den Erhalt der Artenvielfalt in Zeiten des Klimawandels.
Die Auwaldpflanzung an der Elpershofener Mühle erfolgte auf einem landeseigenen Flurstück und schließt die Lücke zwischen zwei bestehenden Auwaldbeständen. Für die Pflanzung selbst wurde autochthones, also gebietseigenes Pflanzmaterial verwendet, welches mit vor Ort gewonnenen Stecklingen ergänzt wurde.
Die Maßnahme wurde über ein Projekt der Stiftung Naturschutzfonds gefördert.
Anlagen: (Fotos: Regierungspräsidium Stuttgart)
Bild 01: Auwaldpflanzung (jpg)
Bild 02: Auwaldpflanzung (jpg)
Bild 03: Gepflanzter Auwald an der Jagst (jpg)
Bild 04: Naturschützer und Fischer pflanzen gemeinsam einen Auenwald (jpg)