reading duration:
Wiedereinsetzung von Oberbürgermeister Arnold
Regierungspräsidentin Bay wünscht Oberbürgermeister Arnold eine erfolgreiche Amtszeit
reading duration:
Heute Abend (15. Juli 2025) wurde Schwäbisch Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold feierlich in sein Amt wiedereingesetzt. Bei ihrer Ansprache gratulierte ihm Regierungspräsidentin Susanne Bay zu seiner Wiederwahl sowie zu seinem 40-jährigen Jubiläum im öffentlichen Dienst. Sie wünschte Arnold eine erfolgreiche dritte Amtszeit.
Gerne stellen wir Pressevertreterinnen und Pressevertretern Auszüge aus der Rede von Regierungspräsidentin Susanne Bay bei der heutigen Amtseinsetzung von Schwäbisch Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold zur Verfügung – es gilt das gesprochene Wort:
„Heute feiern wir nicht nur einen, sondern gleich zwei ganz besondere Anlässe: Zum einen Ihre beeindruckende erfolgreiche Wiederwahl – die zweite inzwischen – ein klares Zeichen des Vertrauens und der Wertschätzung der Schwäbisch Gmünderinnen und Gmünder.
Und zum anderen ein Jubiläum, das man wahrlich nicht alle Tage feiert: Ihr 40-jähriges Jubiläum im öffentlichen Dienst.
Beide Ereignisse stehen für Ausdauer, Engagement – und auch für Durchsetzungsstärke. Denn wer vier Jahrzehnte im Dienst ist, drei Wahlkämpfe durchsteht und dabei fünf Bundeskanzlerinnen und Bundeskanzler, fünf Ministerpräsidenten und 5 Regierungspräsidentinnen und Regierungspräsidenten „überlebt“ hat oder das noch tut, der bringt eine Mischung aus Erfahrung, Charisma und einem gewissen gestaltenden Eigensinn mit.
Und dieser gestaltende Eigensinn, der ist ja nicht nur spürbar, der ist auch immer wieder deutlich sichtbar.
Denn, lieber Herr Arnold, nicht jeder Oberbürgermeister käme auf die Idee, zur Eröffnung einer Gartenschau ein – ich sage es mal so – besonderes, menschliches Einhorn auf der Bühne zu präsentieren. Sie aber schon. Und warum? Weil Sie wissen, dass wer Aufmerksamkeit für ein wichtiges Projekt oder auch Unterstützung für einen Plan will, muss auch mal Mut zum Unerwarteten zeigen.
Wenn Mutiges irgendwo funktioniert, dann in einer Stadt wie Schwäbisch Gmünd. Einer Stadt mit Geschichte, mit Selbstbewusstsein, mit dem Spirit einer ehemaligen Reichsstadt – und mit einer Bevölkerung, die etwas wagt. Ich bin ja selbst Einwohnerin einer solchen Stadt und kann berichten, dass wir ehemaligen Reichsstädterinnen und Reichsstädter durchaus einen ausgeprägten, überlieferten Bürgerstolz haben und in diesem seit Jahrhunderten den Auftrag sehen, unsere Zukunft aktiv zu gestalten.
Das tun wir heute nicht standesdünklerisch und überhaupt gerade nicht ausgrenzend wie vielleicht zu Reichsstadtzeiten, in denen die Stände, auch die Bürgerschaft durchaus abgrenzend unterwegs waren, sondern in einem immer noch selbstbewussten, aber demokratischen Kontext zum Wohle der Gemeinschaft. Ein bisschen provozieren, ein bisschen schmunzeln, ein bisschen diskutieren: das gehört bei uns Reichsstädtern wohl ein wenig dazu.
Insofern war das Einhorn vielleicht gar keine Provokation – sondern einfach ein Spiegelbild Ihrer Amtsführung: überraschend, nicht angepasst, charmant – und am Ende doch von tiefem Ernst getragen. Denn selbst bei allem Humor verfolgen Sie immer ein klares Ziel: Aufmerksamkeit schaffen, Menschen erreichen, Begeisterung wecken, Verbündete auf allen staatlichen Ebenen gewinnen, die es heutzutage auch bei ehemaligen Reichsstädten braucht – für Stadtentwicklung in all ihren Facetten, für Bildung, für Klimaschutz, für Kultur, für die Wirtschaft, für das Gemeinwohl.
Und dann sind da eben auch diese vier Jahrzehnte im öffentlichen Dienst. Eine stolze Wegmarke: unzählige Sitzungen, Entscheidungen, Begegnungen – und noch mehr Überzeugungsarbeit.
Sie haben als studierter Verwaltungswissenschaftler in diesen Jahren auf vielen verschiedenen Ebenen gewirkt: Beim Zentrum für europapolitische Studien in Brüssel waren Sie als Experte für die EU-Agrar- und Umweltpolitik zuständig. Nach dem anschließenden Wechsel in die Landesverwaltung von Baden-Württemberg haben Sie die Forschungsstelle „Ländlicher Raum“ im Landwirtschaftsministerium als Geschäftsführer geführt. Bereits kurze Zeit später haben Sie an Ihre Zeit in Brüssel angeknüpft und waren stellvertretender Referatsleiter im Bereich für europäische Agrarfragen, bevor Sie ans Staatsministerium gingen und schlussendlich die Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union in Brüssel leiteten.
Und nun seit Ihrer Wahl am 10. Mai 2009 Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd. Sie haben in diesen Jahren viel bewegt: Ob als Verwaltungsprofi, Netzwerker, Möglichmacher oder Ideengeber – Sie haben sich nie mit Stillstand zufriedengegeben. Dazu gehört dann selbstverständlich auch, die relevanten Themen an den jeweiligen Kanzler heranzutragen.
Und am wichtigsten sind die Geschichten, die Menschen und die positiven Veränderungen, die Sie ermöglicht haben: Sie haben sich für die Wirtschaft stark gemacht und erfolgreich die ein oder andere Anwerbungsoffensive für neue Unternehmen gestartet. Sie haben sich für Kultur- und Bildungsprojekte eingesetzt, da – wie Sie schon einmal sagten, „in Schwäbisch Gmünd noch so viel Musik drin ist“. Sie haben bei verschiedenen Gartenschauen zum Guten der Stadt mit der Stadtgesellschaft „zwischen Himmel und Erde“ gestaltet. Sie haben von Beginn an das Ziel vorgegeben, weg vom „Amtsstubenimage“ hin zu einer nicht nur bildlich gesprochenen „offenen Rathaustüre“ zu kommen. Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen wollten sein und sind ansprechbar für Bürgerinnen und Bürger und deren Anliegen.
Sie haben gemeinsam mit dem Gemeinderat, der Stadtverwaltung, den Vereinen, Verbänden und Gruppierungen, der Wirtschaft und – ganz wichtig – den Bürgerinnen und Bürgern, also der Stadtgesellschaft bewiesen, dass Stadtentwicklung nicht nur verwaltet, sondern aktiv gestaltet. Und dabei ist es wichtig, dass sich die Stadtgesellschaft nicht auseinanderdividieren lässt.
In einer Zeit, in der sich gesellschaftliche Gräben vertiefen, in der Populismus und Ausgrenzung lauter werden und in der der Ton in politischen wie alltäglichen Debatten oft verroht da braucht es Persönlichkeiten, die Haltung zeigen.
Bei Debatten werden Sie sich in der Stadtgesellschaft in der Sache nicht immer einig sein. Es wird sicherlich und hoffentlich auch mal kontrovers und robust diskutiert, denn Diskussionen sind der Kern der Demokratie, aber dabei sollte immer mit Respekt für die Position der oder des anderen der Stadt Bestes gesucht werden in gemeinsamer Verantwortung für das große Ganze.
Und die Aufgaben, die vor Ihnen und vor uns liegen, sind wahrlich vielfältig und anspruchsvoll: Die Verwaltungsmodernisierung ist auch in Schwäbisch Gmünd kein Selbstläufer. Sie bringt technische, organisatorische und kulturelle Veränderungen mit sich. Demografische Veränderungen fordern neue Konzepte für Wohnen, Mobilität und soziale Teilhabe. Die Digitalisierung und KI sind keine Modethemen, sondern eine strukturelle Aufgabe, die Prozesse, Dienstleistungen und die Verwaltung in Ihrem Selbstverständnis grundlegend verändern. Nachhaltigkeit und Klimaschutz müssen weiter strategisch verankert und operativ gelebt werden – in der Stadtentwicklung, im Verkehrsbereich, in der Energiepolitik. Die Haushaltslage gibt auch in Schwäbisch Gmünd einen sehr engen Rahmen für die Aufgabenerfüllung vor. Der gesellschaftliche Zusammenhalt muss in Zeiten der Umbrüche, Transformationen und Unsicherheiten bewusst gestärkt werden – durch Kommunikation, Transparenz, Beteiligung, aber auch durch Orientierung und klare Rahmensetzung. Im Moment sind die Zeiten also fragil und herausfordernd. Unsere Demokratie ist unter Druck.
Bei den oben bereits angesprochenen Themen, den Herausforderungen durch schreckliche kriegerische Auseinandersetzungen, den Folgen von Entscheidungen unberechenbarer Präsidenten wichtiger Großmächte, weltweiten Migrationsbewegungen und ganz besonders beim Bewältigen der globalen Megaherausforderung Klimakrise benötigen wir eine breite Verständigung.
Eine Verständigung darüber, in was für einer Gesellschaft, mit welchem gemeinsamen Bild von Zukunft wir mit all unserer Unterschiedlichkeit leben wollen. Verschiedene Bevölkerungsgruppen dürfen nicht allein in ihrem jeweiligen Milieu agieren, sondern Sie müssen miteinander kommunizieren.
Und hier kommen wiederum Sie, lieber Herr Arnold, und die unmittelbare Wirksamkeit der Beschlüsse auf kommunaler Ebene für das direkte Lebensumfeld der Menschen ins Spiel. Als Oberbürgermeister sind Sie dabei auch als Vermittler gefragt, Sie gestalten an exponierter Stelle den Diskurs, die Tonlage und die Stimmung in der Stadtgesellschaft mit. Und auch bei inhaltlichen und politischen Differenzen, die es in einer vielfältigen Gesellschaft immer wieder gibt, sind Sie gefordert, zu verbinden und auch vorhandene Gräben zu überwinden.
Gestaltungswille und Krisenmanagement werden also weiterhin gleichermaßen gefragt sein und Sie werden dafür natürlich viele helfende Engagierte an Ihrer Seite brauchen. Diese werden Sie – so wünsche ich es Ihnen von Herzen – in der Stadt und in deren Umfeld wie bisher zahlreich finden.
Auch wir im Regierungspräsidium sehen uns zum einen als Teil der kommunalen Familie und sind gleichzeitig Bindeglied, ja auch Mittler, zur Regierung hin. Neben der Tatsache, dass wir auch Ihre Aufsicht sind.
Meine Kolleginnen und ich bieten Ihnen – weiterhin - bei allen Themen eine gute und vertrauensvolle Partnerschaft an.
Lieber Herr Arnold, Sie sind nicht nur ein Verwaltungschef. Sie sind ein Möglichmacher, ein Mutmacher – und, wenn’s drauf ankommt, auch ein Einhorn-Flüsterer. Im Namen des Landes, der gesamten Region, im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen – und ganz persönlich: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wiederwahl und zu 40 Jahren im öffentlichen Dienst und vielen Dank für Ihr unermüdliches Engagement.“