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Naturschutzgebiet Eichenhain

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Allgemeine Informationen

Das Naturschutzgebiet (NSG) Eichenhain wurde bereits 1947 unter Naturschutz gestellt. Die Kategorie „Naturschutzgebiet“ zählt zu den höchsten Schutzkategorien im deutschen Naturschutzrecht. Sie zeichnet besonders wertgebende Flächen im Naturhaushalt aus. Naturschutzgebiete sind oft die letzten Rückzugsgebiete seltener Arten, sodass der Schutz ihrer Lebensräume dort von herausragender Bedeutung ist.

Das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) ist als höhere Naturschutzbehörde dafür zuständig, Maßnahmen zur Pflege und zum Schutz der vorkommenden Tiere und Pflanzen ebenso wie Besucherlenkungsmaßnahmen innerhalb des Naturschutzgebietes zu planen. Das RPS bittet alle Besuchenden des Naturschutzgebiets, Rücksicht auf Flora und Fauna zu nehmen.

Die Landeshauptstadt Stuttgart (LHS) ist Flächeneigentümerin des Gebietes und damit für die Verkehrssicherung zuständig. Darüber hinaus ist sie als untere Naturschutzbehörde auch dafür zuständig, Maßnahmen innerhalb des Gebietes umzusetzen.

Informationen zur Wegverlegung im Naturschutzgebiet Eichenhain

Verschiedene Arten von Fledermäusen haben im Bereich des kleinen Waldes an der Klinge ihre Quartiere, so auch die seltene und gefährdete Bechsteinfledermaus. Sie nutzt tagsüber alte, höhlenreiche Bäume zum Aufenthalt und als Wochenstube zur Aufzucht ihrer Jungen. Am Rand des Waldes befinden sich zwei Wochenstuben mit je 15 bis 18 Fledermaus-Weibchen. In den Wochenstuben kommen im Juni die Jungtiere zur Welt und werden von ihren Müttern bis zu sechs Wochen lang gesäugt und gepflegt. Spätestens Ende August sind sie selbstständig und gehen auf die Jagd nach Insekten, um sich vor dem Winter ein Energiepolster anzufressen. In dem Waldstück befinden sich auch brüchige Bäume, die auf den bisherigen Wegverlauf herabstürzen könnten. Damit keine Fällungen oder Schnittmaßnahmen die Fledermäuse bei der Jungenaufzucht stören, wurde der Weg verlegt.

Alle Fledermausarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten und sind streng geschützt. Sie leben fast immer im Verborgenen und sind den meisten Menschen daher nicht gegenwärtig. Fledermäuse jagen in der Dämmerung oder nachts nach Insekten. Sie können in einer Nacht bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts fressen. Dabei vertilgen sie auch für Land- und Forstwirtschaft schädliche Insekten. Somit sind sie von großer Bedeutung für das biologische Gleichgewicht.

Die Bechsteinfledermaus ist eine lichtscheue und lärmempfindliche Art.  Der kleine Wald im Eichenhain ist für sie der ideale Lebensraum, da es dort keine Beleuchtung gibt und es verhältnismäßig ruhig ist. So gute Bedingungen finden die Tiere oft nur noch in Schutzgebieten wie dem Naturschutzgebiet Eichenhain. Im dicht besiedelten Stuttgart sind solche Flächen selten und somit entscheidend für den Erhalt der Artenvielfalt. Die im Eichenhain vorhandenen Wochenstuben müssen deshalb unbedingt erhalten werden. Baden-Württemberg trägt als Verbreitungsschwerpunkt der Bechsteinfledermaus in Deutschland eine besondere Verantwortung für deren Schutz.

Fledermäuse brauchen zum Überleben eine reich gegliederte Landschaft mit vielen Insekten und einen ungestörten Platz, wo sie ihre Jungen gebären und aufziehen können. Beide Voraussetzungen sind im Eichenhain erfüllt. Der Eichenhain ist ein hervorragender Fledermauslebensraum. Durch das Nebeneinander von blütenreichen Wiesen und alten, höhlenreichen Bäumen finden die Fledermäuse hier zugleich Wohnstätten (Baumhöhlen) und Insekten als Nahrung. Da der Eichenhain von Wohngebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen umschlossen ist, können die Fledermäuse nicht ausweichen. Sie sind auf den Eichenhain als Lebensraum angewiesen.

Im Naturschutzgebiet Eichenhain kommen außer der Bechsteinfledermaus noch mindestens neun weitere Fledermausarten vor. Somit ist hier die Hälfte aller in Baden-Württemberg lebenden Fledermausarten vertreten.

Ja, denn Baumhöhlen dienen verschiedenen Fledermausarten, wie z. B. dem Großen Abendsegler, auch als Winterquartier. Damit die Tiere dort in Ruhe ihren Winterschlaf machen können, ist es wichtig, dass Besuchende zu jeder Jahreszeit auf den offiziellen Wegen im Naturschutzgebiet bleiben.

Texte: Ulrike Kreh