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Rund ein Jahr Sonnenenergie auf dem Landesamt für Denkmalpflege: Denkmalschutz und Klimaschutz vereint
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Vergangenes Jahr hat Vermögen und Bau Baden-Württemberg auf den Dächern des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg eine dreiteilige Photovoltaikanlage installiert. Die Anlage orientiert sich an den Leitlinien für Solaranlagen auf Denkmalen des Landes und zeigt verschiedene gängige Varianten von Photovoltaik im Denkmalbereich.
Denkmalschutz ist Klimaschutz. Und Denkmalschutz ist mit zusätzlichem Klimaschutz durch Solaranlagen grundsätzlich vereinbar. Das zeigt musterhaft eine dreiteilige Photovoltaikanlage (PV-Anlage), die der Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg im vergangenen Jahr auf den Dächern des ehemaligen Schelztor-Gymnasiums in Esslingen installiert hat. Das Gebäude ist denkmalgeschützt und der heutige Sitz des Landesamts für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart (RPS). Zeit für eine erste Energiebilanz.
Von Juni 2024 bis Juni 2025 hat die dreiteilige Anlage mit insgesamt 240 Quadratmetern Fläche – davon 105 Quadratmeter handelsübliche PV-Module auf dem nicht einsehbaren Dach der Restaurierungswerkstatt, 90 Quadratmeter matte und monochrome sogenannte Full-Black-Solarmodule sowie 45 Quadratmeter Solarziegel auf dem Dach des Altbau-Südflügels zur Martinstraße – insgesamt 46.700 Kilowattstunden grünen Strom aus Sonnenergie erzeugt. Das ist sogar knapp mehr als die prognostizierten rund 45.000 Kilowattstunden pro Jahr.
„Das Landesamt für Denkmalpflege zeigt mit dem eigenen Dienstgebäude in Esslingen beispielhaft, wie Denkmalschutz und Klimaschutz vereinbart werden können“, betonte Regierungspräsidentin Susanne Bay.
„Die PV-Anlage deckt zirka 17 Prozent unseres Strombedarfs im Gebäude, wobei wir uns 2024 bewusst dazu entscheiden haben, nicht die maximal mögliche Dachfläche für die Erzeugung regenerativer Energien zu nutzen. Vielmehr war es das Ziel, eine exemplarische Anlage für die Energiewende in historischen Stadtkernen zu bauen und damit eine denkmal- und altstadtverträgliche Lösung zu demonstrieren“, sagte Prof. Dr. Claus Wolf, Präsident des LAD.
„Wir haben noch weitere Maßnahmen umgesetzt, um die Energiebilanz des alten Schelztor-Gymnasiums zu verbessern: So wurde inzwischen ein Großteil der Beleuchtung auf LED-Leuchtmittel umgestellt“, ergänzte Henrik Bonnet, Leiter des Gebäudemanagements im Amt Ludwigsburg bei Vermögen und Bau Baden-Württemberg.
Die Anlage beim LAD orientiert sich an den Leitlinien für Solaranlagen auf Denkmalen des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg und zeigt die verschiedenen gängigen Varianten von Photovoltaik im Denkmalbereich. Das LAD möchte mit diesem Beitrag zur Energiewende zeigen, dass Photovoltaiknutzung auf denkmalgeschützten Gebäuden möglich ist. Nur bei einer erheblichen Beeinträchtigung des denkmalgeschützten Gebäudes kommt heute noch die Ablehnung einer PV-Anlage in Betracht. „Das Beispiel zeigt, dass Vieles möglich ist und dabei dennoch das Denkmal und das Stadtbild bewahrt werden kann“, so Prof. Wolf. Als „moderner Gast auf dem historischen Dach“, so Wolf weiter, werde die PV-Anlage sicher noch viele Jahre Strom erzeugen können.
Hintergrundinformationen:
In Esslingen beim LAD kommen drei verschiedene Systeme zum Einsatz: So wurde für das Dach der Restaurierungswerkstatt, also ein nachrangiges Gebäude, eine Standard-PV-Anlage ausgewählt. Diese ist vom öffentlichen Raum nicht einsehbar. Auf dem Denkmal selbst, also den mit dunklen Ziegeln gedeckten Dachflächen des alten Schelztorgymnasiums, wurden matte und monochrome Module verlegt, die sogenannte Full-black-Variante. Sie halten so viel Abstand von den Dachkanten, dass das Dach in seiner Kontur noch deutlich ablesbar bleibt. Aufgrund der Höhe des Gebäudes und des flach geneigten Daches sind die Anlagen im Straßenraum fast nicht wahrnehmbar. Eine weitere Dachfläche wurde mit der Sondervariante des Solarziegels eingedeckt, die fast unsichtbar das Erscheinungsbild des Denkmals noch weniger beeinträchtigt. Diese Ziegel können beispielsweise in besonderen Situationen an besonderen Denkmalen oder an besonderen Stellen in historischen Ortsbildern zum Einsatz kommen. Es handelt sich dabei um normale Tonziegel, die mit einem aufgesetzten PV-Modul ausgerüstet wurden. Insgesamt können mit der Anlage also verschiedene gängige Varianten von Photovoltaik im Denkmalbereich veranschaulicht werden. Alle Anlagen sind im Blick von der Burg oder von der Neckarhalde, den wichtigsten Fernsichten auf die Altstadt, nicht sichtbar.
Anlagen:
Gruppenbild (jpg) (RPS, Dinkelaker)
Gruppenbild (jpg) (RPS, Dinkelaker)
Anlage auf dem modernen Werkstattgebäude (jpg, 11 MB) (LAD, M. Hahn)
Verlegen der Solardachziegel (jpg) (LAD, U. Regenscheit)
Zweiteilige PV-Anlage auf dem LAD (jpg) (LAD, U. Regenscheit)