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Naturschutz

50 Jahre Naturschutzgebiet „Roter Burren“ (Rems-Murr-Kreis)

Regierungspräsidentin Bay: „Dieses kleine Naturschutzgebiet weist eine außergewöhnliche Pflanzenvielfalt auf“

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Lichter Kiefernwald prägt das Naturschutzgebiet „Roter Burren“

Das Naturschutzgebiet „Roter Burren“ feiert 50-jähriges Bestehen. Sein besonders nährstoffarmer Boden machte ihn für die Landwirtschaft unattraktiv. So gibt es hier viele Pflanzen, die in der landwirtschaftlich genutzten Umgebung nicht bestehen konnten. Anlass für die Unterschutzstellung dieses Gebiets war die dortige Vielfalt der Orchideenarten.

Am 7. Juli 1975 – also vor etwas mehr als 50 Jahren – hat das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) die Waldkuppe des „Roten Burren“ nördlich von Plüderhausen unter Naturschutz gestellt. Regierungspräsidentin Susanne Bay nimmt das Jubiläum zum Anlass, auf die Besonderheiten des Gebiets hinzuweisen: „Der floristische Reichtum dieses kleinen, nur knapp fünf Hektar großen Naturschutzgebiets ist für das Keuperbergland sehr bemerkenswert. Um die Pflanzen- und auch die Tierwelt dauerhaft zu erhalten, ist die Ausweisung als Naturschutzgebiet der wirksamste Schutz. Das zeigt sich auch hier.“

Das Gebiet wurde aufgrund des reichen Orchideenvorkommens unter Schutz gestellt. Etwa zwölf verschiedene Arten gedeihen am „Roten Burren“, fast ein Fünftel der in Baden-Württemberg heimischen Orchideen. Das Purpur-Knabenkraut fällt durch seine Größe und kräftige Farbe auf, während das Große Zweiblatt zu den eher unauffälligen Orchideen zählt. Ein Blickfang ist auch die Lilie namens Türkenbund, deren süßer Duft vor allem Nachtfalter mit langem Saugrüssel anlockt. Da die Blütenhülle durch einen öligen Überzug sehr glatt ist, können frei vor der Blüte schwirrende Schmetterlinge am besten an den Nektar herankommen, etwa das Taubenschwänzchen oder der Weinschwärmer.

Ein trockener, lichter Kiefernwald prägt die Kuppe des „Roten Burrens“. „Burren“ bedeutet kleiner Hügel. Rot sind manche Gesteinsschichten im Stubensandstein, der hier den Untergrund bildet und einen extrem nährstoffarmen und schnell austrocknenden Boden liefert. Dieser Boden wurde deshalb nie als Acker oder Wiese genutzt, sondern allenfalls als Schafweide. Daher konnten sich hier viele Pflanzen ansiedeln und überleben, die in der landwirtschaftlich genutzten Umgebung keine Chance haben.

Unter dem lichten Schirm der Kiefern fällt zunächst das Rohr-Pfeifengras auf. Früher nutzten die Weinbauern aus dem Remstal das geschnittene Pfeifengras zum Anbinden der Reben. Einzelne Wacholder deuten auf eine frühere Schafbeweidung hin, genauso wie verschiedene Enzianarten, die Golddistel und die Stängellose Kratzdistel. Die Schafe verschmähten diese stacheligen oder bitter schmeckenden Pflanzen, deshalb konnten sie sich am „Roten Burren“ ausbreiten.

Gut durchdachte Landschaftspflege hilft, die seltene Flora des Naturschutzgebiets zu erhalten. So beauftragt das Regierungspräsidium Stuttgart, dass die Kiefernbestände und Gebüsche regelmäßig ausgelichtet und die Pfeifengraswiesen gemäht werden. Dadurch können sich die licht- und wärmebedürftigen Pflanzen im Gebiet halten.

„Naturschutzgebiete bewahren natürliche Lebensräume, die für ein funktionierendes Ökosystem wichtig sind. Gleichzeitig bieten sie auch uns Menschen Erholungsorte in der Natur. Bitte verhalten Sie sich achtsam in den Naturschutzgebieten, damit diese auch noch von unseren Kindern und Enkelkindern erlebt werden können“, sagte Regierungspräsidentin Susanne Bay.

Hintergrundinformationen

In Baden-Württemberg sind 65 Orchideenarten heimisch, zwölf kommen im Naturschutzgebiet „Roter Burren“ vor. Alle sind seltene Naturschönheiten und darum streng geschützt. Viele Orchideenarten bedienen sich raffinierter Tricks. Beispielsweise sichert das Große Zweiblatt den Erfolg der Bestäubung mit klebrigen Drüsenhaaren an den Blütenstängeln. So werden krabbelnde Insekten, die nur Nektar schlecken wollen, ferngehalten. Lässt sich ein mögliches Bestäuberinsekt auf der Blüte nieder, sondert die Orchidee einen Tropfen mit klebriger Flüssigkeit ab. Dieser sorgt dafür, dass ein Pollenpäckchen am Kopf des Insekts festklebt und beim Besuch der nächsten Blüte auf der Narbe abgesetzt wird. Sollte die Befruchtung so nicht klappen, kann sich das Große Zweiblatt auch vermehren, indem es Wurzeln in junge Triebe umbildet.

Naturschutzgebiete schützen besondere Landschaften sowie seltene Pflanzen-, Tierarten und Lebensräume. Auch wissenschaftliche oder kulturelle Gründe können zur Ausweisung führen. Aktuell gibt es 259 Gebiete mit rund 15.641 Hektar Fläche, was etwa 1,5 Prozent der Fläche des gesamten Stuttgarter Regierungsbezirks entspricht. Die Größen variieren stark – von der 0,2 Hektar kleinen „Hülbe am Märtelesberg“ bis zum 1.331 Hektar großen „Eybtal“. Jedes Gebiet unterliegt dabei speziellen Regeln die in einer Rechtsverordnung festgelegt sind. In diesen werden unterschiedliche Gebote und Verbote geregelt; über die wesentlichen Verhaltensregeln informieren Schilder an Ort und Stelle.

Die meisten Naturschutzgebiete lassen sich besuchen: Manchmal führen die Wege nur am Rand entlang, oft aber auch mittendurch. Die Naturschutzverwaltung bewegt sich hier nicht selten auf einem schmalen Grat zwischen dem erforderlichen Schutz von Lebensräumen für seltene Pflanzen- und Tierarten einerseits und dem Interesse von Naturfreunden und Erholungsuchenden andererseits. Deshalb unsere Bitte: Respektieren Sie die für jedes Naturschutzgebiet individuell festgelegten Regelungen; achten Sie auf die Schilder an den Zugängen zu den Gebieten. Helfen Sie mit, dass diese Perlen unserer Landschaft mit ihrem großen Artenreichtum auch für unsere Kinder und Enkelinnen und Enkel erhalten bleiben.

Mehr Informationen zu Naturschutzgebieten sind auf dem gemeinsamen Themenportal der Regierungspräsidien Baden-Württemberg unter www.rp.baden-wuerttemberg.de > Umwelt > Naturschutzgebiete abrufbar.

Hinweise für Besuchende

Der „Rote Burren“ lässt sich in eine Wanderung oder Fahrradtour einbinden, die man in Plüderhausen oder Urbach startet. Im Naturschutzgebiet ist es nicht erlaubt, die Wege zu verlassen, zu lagern oder Feuer zu machen. Pflanzen dürfen weder ausgegraben noch eingebracht werden. Orchideen und andere seltene Pflanzen benötigen ohnehin spezielle Bodenverhältnisse und gehen beim Verpflanzen deshalb meist ein.

Publikationen

Der „Rote Burren“ wird, wie auch alle anderen Naturschutzgebiete im Rems-Murr-Kreis, in dem Buch „Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart“ beschrieben, das im Jan Thorbecke Verlag erschienen ist.

Anlagen:

Bild 1: Auf der Waldkuppe des „Roten Burrens“ befindet sich das Naturschutzgebiet. Foto: Ulrike Kreh (jpg)
Bild 2: Lichter Kiefernwald prägt das Naturschutzgebiet „Roter Burren“. Foto: Ulrike Kreh (jpg)
Bild 3: Großes Zweiblatt: Eine eher unauffällige Orchidee mit raffinierten Techniken. Foto: Ulrike Kreh (jpg)
Bild 4: Türkenbundlilie: Die zurückgeschlagenen Blütenblätter erinnern an einen Turban. Foto: Ulrike Kreh (jpg)
Bild 5: Der Kleine Weinschwärmer ist ein schön gefärbter Nachtfalter. Tagsüber ruht er mit angelegten Flügeln im Gras. Foto: Ulrike Kreh (jpg)
Faltblatt: Was ist ein Naturschutzgebiet? (pdf)

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