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Baden-Württembergs jüngstes Kulturdenkmal – die Print Media Academy in Heidelberg
So geht Denkmalschutz heute
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Heidelberg ist um ein Kulturdenkmal reicher: Mit dem jüngsten Objekt in der Denkmalliste wird die herausragende High-Tech-Architektur, die innovative Technologie und die ikonische Ästhetisierung der Print Media Academy als Kulturdenkmal gewürdigt.
Den neuen Anziehungspunkt direkt gegenüber dem Hauptbahnhof hat der Heidelberger Hans-Jörg Kraus bereits im Jahr 2024 als privater Investor gekauft, um dieses Wahrzeichen Heidelbergs über Generationen hinweg im eigenen Bestand zu halten. Derzeit saniert er es im Rahmen einer Low-Tech- Revitalisierung, um Nebenkosten und ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten.
Zentral gegenüber dem Heidelberger Hauptbahnhof gelegen, prägt das Gebäude bis heute den ersten Eindruck der Stadt: Wer den Bahnhof verlässt, blickt unmittelbar auf die markante Glasarchitektur – ein modernes „Willkommen in Heidelberg“, das ausnahmsweise nicht von der Alten Brücke oder dem Schloss erzählt, sondern von Industrie, Innovation und Technologie.
Für Heidelberg besitzt die Print Media Academy daher eine besondere unternehmens- und heimat- geschichtliche Bedeutung. Sie steht sinnbildlich für die industrielle Prägung der Stadt und für den wirtschaftlichen Aufschwung im Zuge des Börsengangs 1997 der Heidelberger Druckmaschinen AG. Als jüngstes Denkmal der Stadt bewahrt sie damit nicht nur innovative Architektur, sondern vor allem ein zentrales Kapitel der Heidelberger Wirtschaftsgeschichte.
„Heidelberg ist eine Stadt voller Denkmäler – sie sind hier allgegenwärtig und prägen unsere Stadt, wie wir sie lieben. Dass nun ein so modernes Gebäude wie die Print Media Academy unter Denkmalschutz steht, ist außergewöhnlich und zugleich ein starkes Zeichen für die Wertschätzung dieser Architektur. Umso mehr freut es mich, dass dieses besondere Bauwerk denkmalgerecht weiterentwickelt und mit neuem Leben erfüllt wird. Der Schutz unserer Denkmäler ist für Heidelberg von unschätzbarem Wert – sie sind gebaute Zeitzeugen, die wir bewahren und zugleich lebendig halten müssen“, so Heidelbergs Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck.
Die Print Media Academy als präzise zugeschnittener, zwölfgeschossiger Kubus, besticht durch ihre umfassende Verwendung von Glas. Wie in einer Vitrine präsentiert das deckenhohe Foyer zwei silbern schimmernde Zylindertürme, die monumentalen 39 Meter hohen Druckwalzen gleichen – und damit auf das Kerngeschäft des einstigen Bauherren, der Heidelberger Druckmaschinen AG, verweisen.
Illuminierte Stahlstege, verglaste Rolltreppen und Aufzüge komplettieren den Eindruck einer hoch- entwickelten, polierten Maschine, die höchste Präzision, funktionale Perfektion und technologische Innovation ausdrückt.
„Die Print Media Academy zählt zu den selten realisierten Vertretern der High-Tech-Architektur, einer exklusiven Gruppe von Bauten, deren gemeinsames Merkmal eine bewusste Zurschaustellung der Beherrschung innovativer Technologien und deren ikonische Ästhetisierung ist“, erläutert Dr. Martin Hahn, Landeskonservator und Leiter der Inventarisation in der Bau- und Kunstdenkmalpflege am Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. „Darüber hinaus gelang den Architekten die Verbindung von hochtechnologischer Glasarchitektur und bildstarker Corporate Identity, wie sie in der deutschen Unternehmenskultur kaum anzutreffen ist – ein überaus eindrucks- volles junges Kulturdenkmal für den Industriestandort Baden-Württemberg!“
Das Bauen mit Glas erlebte in den 1990er Jahren weltweit eine neue Blütezeit, die das Bild der Epoche prägte. Die Optimierung energetischer und sicherheitsrelevanter Eigenschaften durch Glasmischungen, Beschichtungen und neue Verbünde befeuerte die Entwicklung ökologisch konzipierter Glasfassaden, die mit intelligenten Belüftungs- und Sonnenschutzsystemen experimentierten. So sind hier insgesamt
10.500 Quadratmeter Glas verbaut.
Aufgrund der künstlerischen, wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Bedeutung wurde die Print Media Academy jetzt als Kulturdenkmal nach § 2 Denkmalschutzgesetz in die Denkmalliste des Landes aufgenommen.
Derzeit wird das glasumhüllte Bauwerk mit dem atemberaubenden gebäudehohen Atrium auf einer Grundfläche von etwa 37 mal 37 Metern technisch und energetisch auf den neuesten Stand gebracht. 2027 soll es mit dann zwei bis drei Geschossen für Kongresse sowie attraktiven Büroflächen und einem nachweislich geringeren ökologischen Fußabdruck sowie nachweislich geringeren Nebenkosten überzeugen. „Das erreichen wir beispielsweise durch die Öffnung des Atriums für eine natürliche Be-
und Entlüftung sowie durch die Verschattung des Konferenzbereichs”, erläutert Johannes Pfau, Dipl.-Ing., Freier Architekt BDA, SSV Architekten.
Ob vom Hauptbahnhof oder von der Autobahnabfahrt Heidelberg-Mitte kommend – wer künftig der malerischen Schlossruine entgegenstrebt, dem sei auf dem Weg dorthin ein Zwischenstopp bei Heidelbergs jüngstem Denkmal aus dem 21. Jahrhundert wärmstens empfohlen.
Anlagen:
Bild 01: at night (jpg)
Bild 02: cylinders (jpg)
Bild 03: early morning (jpg)
Bild 04: interior (jpg)