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Ökologische Durchgängigkeit der „Rechenberger Rot“ wiederhergestellt
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Das Regierungspräsidium Stuttgart hat die Durchgängigkeit der Rechenberger Rot (Zufluss der Jagst) wieder hergestellt. Durch die Entfernung einer alten Furt können Fische und andere Organismen wieder ungehindert wandern – ein Gewinn für Artenvielfalt, Gewässerqualität und das angrenzende Naturschutzgebiet bei Fichtenau.
Östlich der Buchmühle bei Fichtenau, an der Landkreisgrenze zwischen Schwäbisch Hall und dem Ostalbkreis, hat das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) die Durchgängigkeit der „Rechenberger Rot“, ein Zufluss der Jagst, wiederhergestellt. Aufgrund einer vor Jahrzehnten errichteten Furt (seichte Stelle eines Flusses, die das Überqueren gestattet) mit einem Höhenunterschied von fast einem Meter war der Bachlauf in diesem Bereich für Fische und andere Gewässerorganismen nicht passierbar. Nun können diese Tiere wieder in andere Gewässerabschnitte wandern und sich erfolgreich mit neuen Populationen austauschen.
Um die Furt zu entfernen, waren umfangreiche Vorbereitungen nötig: Neben Vertretern der Fischereibehörde des RPS, der Wasserwirtschaft des Ostalbkreises und der Unteren Naturschutzbehörden, waren auch die Gemeinden Jagstzell und Fichtenau an der Abstimmung beteiligt. Anfang September 2025, nachdem zuvor eine gründliche Bergung des Fischbestandes vorgenommen worden war, wurde die Furt entlang der Fließrichtung der Rechenberger Rot vorsichtig mit einem Bagger entfernt. Da die Furt mit Natursteinmaterial errichtet worden war, konnten die Steine im Gewässer verbleiben. Sie dienen nun als Störsteine, um eine zu starke Absenkung des Wasserstands oberhalb der ehemaligen Furt zu vermeiden. Mittelfristig soll sich durch die natürliche Fließgewässerdynamik wieder eine natürliche Gewässersohle einstellen.
Felix Hertenberger, Fischereireferent im RPS, wertet die Maßnahme als großen Erfolg: „Dadurch, dass wir die Furt entfernt haben, wurden Lebensräume verbunden. Das kann Auswirkungen haben, die weit über den Standort und das angrenzende Umfeld hinausgehen. Zusätzlich werden natürliche Fließbedingungen und Gewässereigenschaften gefördert und eine übermäßige Ablagerung von Sedimenten im ehemaligen Rückstaubereich verhindert. Dadurch kann die schädliche Anreicherung von zu vielen Nährstoffen vermieden und die Gewässerqualität auf natürliche Weise erhalten werden.“
Die Randbereiche der Rechenberger Rot sind geprägt von geschützten Auwäldern, Röhrichten und Großseggenrieden. In den vergangenen Jahren konnte sich der Biber in dem Gewässer gut etablieren und leistet mit seinen Aktivitäten einen weiteren Beitrag zur Gewässerdynamik. Durch das Entfernen der Furt erhofft man sich zudem neue, förderliche Wechselbeziehungen mit dem westlich der Maßnahme gelegenen Naturschutzgebiet „Feuchtfläche bei der Buchmühle“.
Die Maßnahme wurde durch Gelder der Stiftung Naturschutzfonds finanziert, die aus Ersatzzahlungen für den Bau von Windkraftanlagen in der Region stammen. Sie ist Teil eines Maßnahmenkatalogs für den Bereich an der Rechenberger Rot und umfasste unter anderem bereits eine Aufwertung des Grünlandes sowie Gehölzmaßnahmen entlang des Gewässerlaufes. Träger dieser Naturschutzmaßnahmen ist das Regierungspräsidium Stuttgart, Referat 56 (Naturschutz und Landschaftspflege).
Hintergrundinformationen:
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind bauliche Eingriffe in Natur und Landschaft ausgleichspflichtig. Wenn die Beeinträchtigungen, die durch den Eingriff verursacht wurden, nicht konkret ausgeglichen oder kompensiert werden können, muss der Verursacher Ersatz in Geld leisten. Diese Ersatzzahlungen fließen der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg zu und werden für aufwertende Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege verwendet. Die Projekte können von unterschiedlichen Trägern umgesetzt werden, beispielsweise von den Regierungspräsidien, den Landkreisen, Städten und Gemeinden oder von Verbänden und Vereinen.
Anlagen:
Bild 1: Vor der Maßnahme musste eine aufwendige Fischbergung stattfinden. Volker Traub vom Referat 56 des RPS fischt unterhalb der Furt ab. Bild: Tobias Machts (jpg)
Bild 2: Ausgangssituation: Die Furt ist für Gewässerorganismen nicht passierbar. Bild: Tobias Machts (jpg)
Bild 3: Die Natursteine der Furt wurden vorsichtig mit einem Bagger verzogen und dienen nun als Störsteine. Bild: Tobias Machts (jpg)
Bild 4: Die Rechenberger Rot ist wieder gewässerökologisch passierbar. Mittelfristig soll sich eine natürliche Gewässersohle entwickeln. Bild: Tobias Machts (jpg)