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Naturschutz und Forst unterstützen gemeinsam die Rückkehr des Fischadlers in den Nordosten von Baden-Württemberg
Mit dem Bau von Nisthilfen soll die Wiederansiedlung von Fischadlerpaaren gelingen
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Im Forstbezirk Virngrund (Landkreis Schwäbisch Hall) wollen Vertreter der Naturschutzverwaltungen des Regierungspräsidiums Stuttgart und des Landratsamtes Schwäbisch Hall sowie von Forst BW und vom NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen eine Wiederansiedlung des Fischadlers ermöglichen. Hierzu wurde Mitte März eine neue Nisthilfe installiert, die dem streng geschützten Fischadler in Süddeutschland als Brutplatz dienen soll.
Hierfür musste die gut 1,2 Meter große Nestplattform samt Stahlunterkonstruktion, Verankerung und Nistmaterial aufwendig in die Krone einer rund 25 Meter hohen Kiefer befördert werden. Die anschließende komplizierte Befestigung der Plattform übernahm ein erfahrener Baumkletterer. Nach gut drei Stunden konnten die Arbeiten erfolgreich abgeschlossen werden. Dr. Daniel Schmidt-Rothmund, der sich seit vielen Jahren für den Schutz des Fischadlers einsetzt und bereits Nisthilfen an mehreren Standorten in Bayern baute, ist von der Artenschutzmaßnahme begeistert. Er ist zuversichtlich, dass sich in den nächsten Jahren ein Brutpaar ansiedeln könnte. „Das Timing ist perfekt! Mitte März treffen die ersten Durchzügler des Fischadlers in Deutschland ein, so dass die ersten Tiere schon jetzt die Möglichkeit haben, sich mit dem neuen Nest vertraut zu machen“, so Schmidt-Rothmund.
Der Bestand des Fischadlers ist in Süddeutschland vor vielen Jahrzehnten durch menschliche Eingriffe wie Gelegeplünderung oder Abschuss so drastisch zurückgegangen, dass er Anfang des 20. Jahrhunderts in Süddeutschland vollständig ausgerottet wurde. In Baden-Württemberg ist der Fischadler bis auf wenige Ausnahmen nur als Durchzügler bekannt. Da er jedoch eine wichtige Schlüsselstellung im ökologischen Gefüge einnimmt, wird seine Wiederansiedlung in Süddeutschland aktiv unterstützt. Vor allem von jungen Tieren werden die angebotenen Nisthilfen gerne angenommen. Dabei bevorzugt der Fischadler – wie sein Name schon sagt – störungsfreie Lebensräume in Gewässernähe. Im benachbarten Bayern zeigen die großflächig angebrachten Nisthilfen bereits gute Erfolge. Hier siedelten sich bereits neue Tiere an und die Brutpaare nehmen wieder zu.
Finanziert wird die Artenschutzmaßnahme mit Geldern der Stiftung Naturschutzfonds, die aus Ersatzzahlungen aus dem Bau von Windkraftanlagen in der Region stammen. Träger der Maßnahme ist das Regierungspräsidium Stuttgart, Referat 56 (Naturschutz und Landschaftspflege), welches die Planung und Organisation übernommen hat. In Zukunft sollen weitere Nisthilfen im Landkreis Schwäbisch Hall und im Ostalbkreis angebracht werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Fischadler ihren natürlichen Lebensraum erfolgreich zurückerobern.
Hintergrund Ersatzzahlungen:
Bauliche Eingriffe in Natur und Landschaft sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz ausgleichspflichtig. Wenn die aus dem Eingriff resultierenden Beeinträchtigungen für die Natur nicht konkret ausgeglichen oder kompensiert werden können, muss der Verursachende Ersatz in Geld leisten. Diese Ersatzzahlungen fließen der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg zu und werden für aufwertende Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege verwendet. Die Projekte können von unterschiedlichen Trägern umgesetzt werden, zum Beispiel von den Regierungspräsidien, den Landkreisen, Städten und Gemeinden oder von Verbänden und Vereinen.
Bild 1 (Quelle: RPS, Tobias Machts) (jpg, 12.4 MB)
Bild 2 (Quelle: RPS, Tobias Machts) (jpg, 11.7 MB)
Bild 3 fertiges Nest (David Beißwenger) (jpg)
Bild 4 Nest von der Seite (David Beißwenger (jpg)