Lesezeit:
Wiedereinsetzung von Oberbürgermeister Holzwarth (Rems-Murr-Kreis)
Regierungspräsidentin Bay wünscht Oberbürgermeister Holzwarth eine erfolgreiche Amtszeit
Lesezeit:
Heute Abend (18. März 2026) wurde Winnendens Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth feierlich in sein Amt wiedereingesetzt. Bei ihrer Ansprache gratulierte ihm Regierungspräsidentin Susanne Bay zu seiner Wiederwahl. Sie wünschte Holzwarth eine erfolgreiche dritte Amtszeit.
Gerne stellen wir Pressevertreterinnen und Pressevertretern Auszüge aus der Rede von Regierungspräsidentin Susanne Bay bei der heutigen Amtseinsetzung von Winnendens Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth zur Verfügung – es gilt das gesprochene Wort:
„Es ist mir eine große Freude und Ehre, heute bei Ihnen in Winnenden zu sein und Herrn Hartmut Holzwarth zur erneuten Amtseinsetzung als Oberbürgermeister Ihrer Stadt persönlich, aber auch im Namen des Landes, ganz herzlich zu gratulieren!
Eine Amtseinsetzung ist immer mehr als ein formaler Akt. Sie ist ein Moment des Innehaltens, ein Moment der Rückschau – aber vor allem ein Moment des gemeinsamen Blicks nach vorn. Und sie ist Ausdruck von Vertrauen: dem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Person, die sie an der Spitze ihrer Stadt wissen wollen.
Lieber Herr Holzwarth, die Menschen in Winnenden haben Ihnen dieses Vertrauen nun zum dritten Mal ausgesprochen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wiedergewählt wird nicht automatisch – wiedergewählt wird, wer überzeugt. Und neben einem starken Zeichen des Vertrauens ist die erneute Wiederwahl zugleich Anerkennung für Ihren bisherigen Einsatz sowie auch Auftrag für die kommenden Jahre.
Wie Sie, lieber Herr Holzwarth, ganz genau wissen, ist das Amt des Oberbürgermeisters kein leichtes Amt. Es verlangt Sachverstand, Entscheidungsfreude, Ausdauer – und vor allem die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen. Gerade in Zeiten, in denen unsere Gesellschaft vor großen Herausforderungen steht, kommt den Städten und Gemeinden eine besondere Rolle zu. Hier vor Ort entscheidet sich, wie wir Zusammenhalt leben, wie wir Zukunft gestalten und wie wir Veränderungen gemeinsam tragen und Chancen entwickeln. Kommunalpolitik ist „Politik ganz nah“ – sie findet dort statt, wo Menschen arbeiten, wohnen, lernen und ihren Alltag und ihre Freizeit gestalten, dort, wo sie gut und gerne leben wollen.
Lieber Herr Holzwarth, ich habe mir sagen lassen, dass Sie neben dem Wandern auch gerne Fahrrad fahren – und als ambitionierter Hobbyradfahrer wissen Sie genau, wann eine Etappe endet – und ebenso, wann eine neue beginnt. Sie wissen also: Mit Ihrer Wiederwahl haben Sie keineswegs das Ziel erreicht. Vielmehr ist das erneute Vertrauen, das Ihnen die Wählerinnen und Wähler ausgesprochen haben, der Startschuss für eine neue Runde verantwortungsvoller Gestaltung, für Ausdauer, Orientierung und den langen Atem, den das Amt des Oberbürgermeisters erfordert.
Sie sind nun seit 2010 Oberbürgermeister von Winnenden – und sind daher bestens gerüstet für diese weiteren acht Jahre, die nun vor Ihnen liegen – an der Spitze einer Stadt, die Ihre Heimat geworden ist und die sie aus den vorherigen Amtszeiten in all ihren Facetten kennengelernt haben.
Die vergangenen Jahre waren geprägt, sowie unsere Zeit generell gerade geprägt ist, von außergewöhnlichen Herausforderungen – gesellschaftlich, wirtschaftlich und für unsere Umwelt. Ich denke dabei an die Pandemie, an den immer noch andauernden brutalen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine mit all seinen Folgen oder ganz aktuell denke ich an die unberechenbaren Aktivitäten eines irrlichternden Präsidenten einer eigentlich befreundeten Großmacht, die unsere sowieso fragile Weltordnung in Turbulenzen bringen und unsere Wirtschaft ins Schwanken. Und neu dazu denke ich an den Krieg im Nahen Osten. Die Folgen all dieser Herausforderungen kommen schließlich gerade auf kommunaler Ebene zusammen.
Sie haben Winnenden bisher durch bewegte Zeiten sicher geführt und nicht nur gut verwaltet zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen Ihres Stadtteams, sondern auch zentrale Projekte angestoßen und mit dem Gemeinderat und der Bürgerschaft vorangebracht. Sie kennen die Abläufe der Verwaltung ebenso wie die Perspektiven und Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger. Diese Erfahrung, verbunden mit anhaltendem Gestaltungswillen und Ausdauer, sind sehr gute Voraussetzungen für die Bewältigung der Herausforderungen und auch Chancen, die nun vor Ihnen liegen. Und wie bei jeder ausgiebigen Radtour wird es auch in der dritten Amtszeit Momente der Erschöpfung geben – Momente, in denen der Reflex sagt „Aufgeben“. Doch der Wille, das Ziel zu erreichen, treibt Sie weiter an.
Und es wird hoffentlich viele der Situationen geben, in denen Sie gleich den Schwung, die zweite Luft, die Kraft spüren, mit viel Freude die Weiterentwicklung der Stadt gemeinsam mit den anderen Akteurinnen und Akteuren der Stadtgesellschaft gestalten zu können. Auf Sie wartet also wieder eine Marathonaufgabe, die Ausdauer, Ehrgeiz und ein tief verwurzeltes Pflichtgefühl erfordert und auch eine klare Vorstellung davon, welches Ziel Sie erreichen möchten.
Denn die Aufgaben, die vor Ihnen und vor uns liegen, sind dauerhaft vielfältig und anspruchsvoll:
- Die Verwaltungsmodernisierung ist auch in Winnenden kein Selbstläufer. Sie bringt technische, organisatorische und kulturelle Veränderungen mit sich.
- Digitalisierung und KI sind keine Modethemen, sondern strukturelle Aufgaben, die Prozesse, Dienstleistungen und das Selbstverständnis von Verwaltung grundlegend verändern.
- Demografische und gesellschaftliche Veränderungen fordern neue Konzepte für Wohnen, Mobilität und soziale Teilhabe.
- Gute Bildung für alle ist ein zentraler Standortfaktor für unser Land und entscheidend für das Leben jedes einzelnen Menschen.
- Die Haushaltslage gibt auch in Winnenden einen engen Rahmen für die Aufgabenerfüllung vor.
- Der gesellschaftliche Zusammenhalt muss in Zeiten der Umbrüche und Unsicherheiten bewusst gestärkt werden – durch Kommunikation, Transparenz und Beteiligung. Unsere Demokratie ist unter Druck. Wir müssen Sie verteidigen und uns aktiv für Sie einsetzen.
- Nachhaltigkeit und Klimaschutz müssen weiter strategisch verankert und operativ gelebt werden – in der Stadtentwicklung, im Verkehrsbereich, in der Energiepolitik: das Bekämpfen der Klimakrise ist die drängendste Herausforderung für die gesamte Menschheit.
Aber ganz gleich, welche Art von Herausforderung Sie, den Gemeinderat, die Stadtverwaltung, die Vereine und Gruppierungen, die Wirtschaft und, ganz wichtig, die Bürgerinnen und Bürgern erwartet, ist es entscheidend, dass sich diese Stadtgesellschaft nicht auseinanderdividieren lässt.
Sie werden sich auch in Ihrer dritten Amtszeit in der Sache nicht immer einig sein. Es wird sicherlich und hoffentlich auch mal kontrovers und robust diskutiert. Diskussionen sind der Kern der Demokratie, aber dabei sollte immer mit Respekt für die Position der oder des anderen der Stadt Bestes gesucht werden in gemeinsamer Verantwortung für das große Ganze. Bei allen Themen braucht es am Ende eine breite Verständigung. Eine Verständigung darüber, in was für einer Gesellschaft, mit welchem gemeinsamen Bild von Zukunft wir mit all unserer Unterschiedlichkeit leben wollen.
Und hier kommen wiederum Sie, lieber Herr Holzwarth, und die unmittelbare Wirksamkeit der kommunalen Beschlüsse für das direkte Lebensumfeld der Menschen ins Spiel. Als Oberbürgermeister sind Sie eben auch als Vermittler gefragt. Sie gestalten an exponierter Stelle den Diskurs, die Tonlage und die Stimmung in der Stadtgesellschaft mit. Und auch bei inhaltlichen und politischen Differenzen, die es in einer vielfältigen Gesellschaft immer wieder gibt, sind Sie gefordert zu verbinden und auch vorhandene Gräben zu überwinden. Gestaltungswille und Krisenmanagement werden also weiter gleichermaßen gefragt sein und Sie werden dafür natürlich viele helfende Engagierte an Ihrer Seite brauchen. Diese werden Sie, so wünsche ich es Ihnen von Herzen in der Stadt und in deren Umfeld weiterhin zahlreich finden.
Und Sie können dabei auch wie bisher auf die Unterstützung des Landes und des Regierungspräsidiums zählen. Im Regierungspräsidium sehen wir uns zum einen durchaus auch als Teil der kommunalen Familie, neben der Tatsache, dass wir auch Ihre Aufsicht sind. Dazu sind wir Bindeglied, ja auch Sprachrohr und Mittler zur Regierung hin. Wir haben also vielfältige Verflechtungen miteinander und meine Kolleg*innen und ich bieten Ihnen weiterhin wie bisher bei allen Themen eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit an.
Als gelungenes Beispiel für diese Zusammenarbeit und deren positiven Nutzen kann ich hier das Bädle „Höfi“ erwähnen, das nun aufgrund unserer Initiative und Unterstützung zur Antragstellung nach einem gemeinsamen Termin vor Ort in den Genuss einer ELR-Förderung kommt. Im Moment loten wir aus, ob und wie eine Förderung aus den Mitteln des Europäischen Solidaritätsfonds für noch offene Kosten inhaltlich möglich ist. Bei der Gelegenheit habe ich in Höfen beispielhaft auch gesehen, wie sehr ehrenamtliches Engagement in Winnenden und seinen Teilorten verankert ist. Das ist ein starkes Fundament für eine Stadt und auch für Ihren Oberbürgermeister.
Und als Oberbürgermeister in Baden-Württemberg hat Sie der Gesetzgeber historisch gewachsen für diese Ihre verantwortungsvolle Aufgabe mit besonders vielen Befugnissen ausgestattet. Sie haben mit acht Jahren eine sehr lange Amtsperiode zum Gestalten, in der Sie nicht abgewählt werden können. Im Gemeinderat haben Sie sowohl den Vorsitz, als auch ein Stimmrecht. Daneben sind Sie Chef der Verwaltung, in die sogenannten Geschäfte der laufenden Verwaltung darf Ihnen der Gemeinderat auch nicht hineinreden. Ihr Einfluss auf die Beschlussfassung des Gemeinderats ist also vielfältig. Im Zweifel können Sie gefassten Beschlüssen sogar widersprechen. Viel wichtiger als diese Machtfülle ist aus meiner Sicht aber die Breite der Aufgaben, die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten und auch die Verantwortung, die das Amt mit sich bringt.
Lieber Herr Holzwarth, für all die bevorstehenden Herausforderungen und für all die Dinge, die Sie gerne mit den Bürgerinnen und Bürgern darüber hinaus zum Wohle der Stadt Winnenden noch gestalten möchten, wünsche ich Ihnen zuallererst gute Gesundheit, weiter viel Akzeptanz und Rückhalt, das nötige Augenmaß bei schwierigen Entscheidungen, den Mut, Bewährtes zu erhalten, wo das richtig ist und Mut zur Innovation und zum Wandel, wo es dies braucht. Und ich wünsche Ihnen gute, ehrliche Ratgeberinnen und Ratgeber, die Ihnen auch mal deutlich sagen, wenn ein Pferd quer im Stall steht. Ich wünsche Ihnen vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Team im Rathaus sowie eine Kultur im Gemeinderat, aufgrund derer Sie nie die Möglichkeit ziehen müssen, einem gefassten Beschluss zu widersprechen.
Und vor allem wünsche ich Ihnen, dass Sie neben ihrer großen Aufgabe noch Luft und Muse haben für wunderbare Zeiten mit Ihrer Familie, die ein oder andere Radtour oder was Sie sonst noch gerne machen möchten, denn auch ein Oberbürgermeister ist ein Mensch.
Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wiederwahl!“