Zum Inhaltsbereich Zur Hauptnavigation

Lesezeit:

Teilen via:

Warum magere Wiesen so wichtig sind„Hier lebt, was andernorts schon verschwunden ist.“

Hier, im oberen, flachen Teil des Naturschutzgebiets Eichenhain, ist der Untergrund nährstoffreicher und hält die Feuchtigkeit länger als an den Hängen. Deshalb sehen die Wiesen hier meist frischer und grüner aus als die abschüssigen Magerrasen und es wachsen andere Gräser und Wiesenblumen.

Je nach Jahreszeit und Mähzeitpunkt sehen Sie hier neben Gräsern – etwa dem Wiesen-Knäuelgras oder dem Glatthafer – viele bunt blühende Wiesenblumen. Den Wiesenlöwenzahn kennen fast alle. Seine Blätter sind grob gezähnt, ähnlich wie die Zähne eines Löwen. Der Rot-Klee blüht von Mai bis Oktober und liefert ein eiweißreiches Viehfutter. Die gelben Blüten des Knolligen Hahnenfußes glänzen innen oft lackartig durch fein verteilte Öltröpfchen. Gelb blüht auch der Zottige Klappertopf. Seine Samen klappern in den Fruchtkapseln, wenn sie reif sind. Erst dann sollte die Wiese gemäht werden. Nebenbei lassen sich hier auch zahlreiche Insekten beobachten, denn die Blütenpflanzen liefern ihnen Pollen und Nektar als Nahrung.

Die Wiesen hier werden vom Tierhalter gemäht, um Winterfutter für die Weidetiere zu gewinnen. Damit die Artenvielfalt erhalten bleibt, ist es wichtig, dass die Wiesen nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht und wenig oder gar nicht gedüngt werden. Der erste Heuschnitt sollte nicht vor der Hauptblütezeit der Kräuter erfolgen. Dann bleibt den Wiesenblumen genug Zeit zum Blühen und Samen ausbilden. Leider wird diese extensive Bewirtschaftung immer seltener, was auch zu einem Rückgang der schönen, buntblühenden Wiesen führt. Zum Glück können sie zumindest noch in Naturschutzgebieten, wie dem Eichenhain gefunden werden.

Hinter der Sitzbank sind es nur wenige Schritte zu einem Denkmal zu Ehren von Elly Heuss-Knapp. Sie war die Frau des ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss und eine Pionierin auf den Gebieten der Frauenemanzipation und pfiffiger Werbung. Sie erfand Jingles für Marken wie Kaffee Hag, Nivea und Persil und war auch beim Schreiben kreativ. Mit dem Vierzeiler „Weiße Margriten“, den ihr Mann nach ihrem Tod im Jahr 1952 für das Denkmal heraussuchte, hatte Elly Heuss-Knapp 1950 die Stuttgarter Gartenbauausstellung eröffnet. Ob blühende Margeriten im Eichenhain Theodor Heuss zur Auswahl dieses Gedichts bewogen?

Autorin: Ulrike Kreh