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Warum Magerrasen so wichtig sind„Auf vermeintlich kargem Boden blüht Vielfalt.“

Vor Ihnen fällt der Hang steil ab. Hier finden sich die schönsten und artenreichsten Magerrasen im Naturschutzgebiet Eichenhain. Magerrasen ist ein Fachbegriff, der ausdrückt, dass ein von Gräsern und Kräutern geprägter Standort mager – also nährstoffarm ist – und nicht gedüngt wird.

Magerrasen sind Hotspots der biologischen Vielfalt. Hier gedeihen Pflanzen, die mit dem kargen Boden, starker Sonneneinstrahlung und längeren Trockenphasen klarkommen, zum Beispiel der Feld-Thymian, der gewöhnliche Dost und der Wiesen-Salbei. Ihre Blätter und Blüten enthalten ätherische Öle, die in der Wärme duften. Das lockt Insekten an, schützt die Pflanzen vor Fraßschädlingen und ist ein wirksamer Verdunstungsschutz.

Am abschüssigen Hang des Eichenhains kommen sogar noch Magerrasenpflanzen saurer Böden hinzu, etwa Flügel-Ginster, Blutwurz und Heidekraut. Das hängt mit dem geologischen Untergrund zusammen: Im Eichenhain steht als oberste Gesteinsschicht des Keupers der kieselig gebundene Rhätsandstein an, dessen Schutt lokal für die Bodenversauerung verantwortlich ist.

Beweidung ist Landschaftspflege

Zur Offenhaltung der Magerrasen weiden Schafe, Ziegen und einzelne Rinder im Eichenhain. Das kommt der traditionellen Nutzung nahe, durch die der Eichenhain einst entstanden ist. Die Weidetiere fressen das Gras kurz, beugen dem Gehölzwachstum vor und halten so die Landschaft offen. Schafe fressen gezielt schmackhafte, eiweißreiche Pflanzen ab. Dornige, bittere und giftige Arten bleiben stehen. Ziegen knabbern auch dornige Büsche ab. Rinder sind nicht so wählerisch bei der Auswahl der Futterpflanzen, so dass die Weide gleichmäßiger abgeweidet wird. Und noch einen Nutzen hat die Beweidung: Die Weidetiere können im Fell, im Magen und in den Klauen hunderte Samen und Eier mit sich tragen. So ist für die Ausbreitung und den genetischen Austausch von Pflanzen- und Tierarten gesorgt.

Autorin: Ulrike Kreh