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18. Treffen der Biberberatenden des Regierungsbezirks Stuttgart in Süßen (Landkreis Göppingen)
Fachlicher Austausch und rege Diskussion rund um den Biber
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Zum 18. Mal trafen sich die ehrenamtlichen Biberberatenden im Regierungsbezirk Stuttgart, um sich über aktuelle Themen auszutauschen. Rund 100 Fachleute diskutierten unter anderem über Herausforderung als auch Chancen im Umfang mit dem Biber.
„Der Biber ist in vielen Regionen sehr präsent – und mit ihm eine der aktuellsten naturschutz- und wildtierpolitischen Debatten in Baden-Württemberg. Als Schlüsselart schafft das größte Nagetier Europas artenreiche Feuchtlebensräume, hält Wasser in der Landschaft zurück und leistet einen wichtigen Beitrag zur Klimafolgenanpassung. Gleichzeitig können durch seinen Gestaltungswillen lokal Konflikte im Bereich Landnutzung und Infrastruktur entstehen“, leitete Regierungspräsidentin Susanne Bay das 18. Treffen der ehrenamtlichen Biberberatenden und der hauptamtlichen Fachleute des Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS) und weiterer Behörden in Süßen im Landkreis Göppingen ein.
Der Biber und betroffene Landnutzer/innen werden deshalb vom haupt- und ehrenamtlichen Naturschutz im Rahmen des Bibermanagements betreut. Das Regierungspräsidium Stuttgart setzt dabei seit jeher und erfolgreich auf präventive, also vorbeugende und lenkende Maßnahmen. Beispielweise werden Bäume durch Zaungeflecht geschützt, Biberdämme drainiert oder Flächen gekauft. Je nach Konfliktfall können Biber auch aus bestimmten Gewässerabschnitten vergrämt oder umgesiedelt werden. Hierfür kommen unter anderem Ersatzbauten zum Einsatz. Diese Maßnahmen sind in der Regel langfristig wirksam, bedeuten allerdings für betroffene Kommunen zu Beginn einen teils nicht unerheblichen Aufwand.
Daher wird verstärkt – als vermeintlich einfache Konfliktlösung – die schnellere Tötung von Bibern und eine Überführung der streng geschützten Tierart in das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz diskutiert. Damit einhergehend kommt immer wieder die Forderung nach einer Bestandsregulierung auf. Beim heutigen Treffen der ehrenamtlichen Biberberatenden im Regierungsbezirk Stuttgart ging es daher um die zentrale Frage, ob durch eine gezielte Populationsregulation Konflikte nachhaltig und zufriedenstellend gelöst werden können. Die rund 100 Teilnehmenden aus Baden-Württemberg sowie benachbarten Ländern und Bundesländern diskutierten, angeregt durch Vorträge von Referierenden aus Wissenschaft und Praxis, Wildtierbiologie und Jagd, intensiv und kontrovers.
Die Referierenden zeichneten ein sehr differenziertes Bild. Die Vertreter/in der Wissenschaft waren sich indes einig, dass nicht die Bestandsregulation, sondern die konkrete Lösung von Mensch-Wildtier-Konflikten durch funktionierende und nachhaltige Lösungen Ziel eines evidenzbasierten Wildtiermanagements sein sollte. Die Erfahrung aus Österreich, wo Biber seit einiger Zeit wieder verstärkt entnommen werden, zeigte, dass durch diese Tötungen zwar eine kurzfristige Befriedung, jedoch keine langfristige Konfliktlösung erreicht werden konnte. Die meisten der Anwesenden überraschte diese Erkenntnis nicht: Denn freie Biberreviere werden in der Regel umgehend wieder besetzt und nicht selten sind die neuen Bewohner eigenwilliger als ihre Vorgänger. Die Biberberaterinnen und Biberberater sind daher überzeugt: nachhaltig sei es, mit dem Biber zu arbeiten.
Regierungspräsidentin Susanne Bay dankte allen für ihr unermüdliches Engagement und hob die Bedeutung eines offenen und ehrlichen Diskurses hervor: „Nur indem wir uns austauschen und voneinander lernen, können wir die tatsächlichen Probleme identifizieren und sachgerechte Lösungen erarbeiten. Nur so kann eine gesellschaftlich akzeptierte, evidenzbasierte und lösungsgerechte Weiterentwicklung des Bibermanagements erfolgen.“
Hintergrundinformationen
Seit Ende der 1990er-Jahre kehrt der Biber nach Baden-Württemberg zurück. Die Landespopulation wird derzeit auf rund 11.700 Tiere geschätzt. Aufgrund seiner Lebensweise ist eine exakte Erfassung schwierig; eine flächendeckende Erhebung liegt bislang nicht vor.
Für Fragen rund um den Biber steht ein landesweites Netzwerk bereit: Im Regierungsbezirk Stuttgart unterstützen neben den unteren Naturschutzbehörden zwei Bibermanager des RPS sowie über 100 ehrenamtliche Biberberaterinnen und -berater in den Landkreisen vor Ort. Die Einsatzgebiete sind vielfältig – von der Konfliktberatung über Baumschutzmaßnahmen bis hin zur Kontrolle der Biberreviere.
Das jährliche Treffen der Biberberatenden wird vom Referat 56 „Naturschutz und Landschaftspflege“ im Regierungspräsidium Stuttgart in Kooperation mit einer unteren Naturschutzbehörde des Regierungsbezirks organisiert. Ziel der Veranstaltung ist die fachliche Fortbildung und Vernetzung der ehrenamtlich Aktiven im Bibermanagement. Neben Vorträgen bietet das Treffen Raum für Austausch, Diskussion und praxisorientierte Ansätze.
An vielen Flüssen, Bächen und Weihern hat der Biber Lebensräume geschaffen und damit die biologische Vielfalt gefördert. Gleichzeitig kann seine Aktivität zu Nutzungskonflikten führen, etwa wenn er Bäume fällt, Wasser staut oder Dämme untergräbt. Das landesweite Bibermanagement setzt daher auf frühzeitige Beratung und Konfliktvermeidung. Materialkosten für Präventivmaßnahmen – etwa Drahthosen zum Schutz von Bäumen oder Sicherungen von Ufern und Dämmen – können übernommen werden. Auch die Extensivierung von Flächen in Gewässernähe wird über die Landschaftspflegerichtlinie gefördert.
Ein wirksames Mittel im Bibermanagement ist ein ausreichend breiter, extensiv genutzter Gewässerrandstreifen. Er dient nicht nur dem Biber, sondern auch dem Gewässer, dem Grundwasser – und letztlich dem Menschen selbst.
Das Faltblatt „Bibermanagement im Regierungsbezirk Stuttgart“ ist kostenlos beim Regierungspräsidium Stuttgart und bei den Landratsämtern erhältlich.
Tagungsbeiträge
In den wissenschaftlichen Vorträgen wurden unter anderem die offensichtlichen und die weniger offensichtlichen Effekte der Bejagung von Wildtieren beleuchtet. Prof. Dr. Richard Bischof von der Norwegian University of Life Sciences (NMBU) in Ås ging dabei der Frage nach, wie sich die Bejagung auf die Populationsdynamik von Wildtieren auswirkt und ob gezielte Präventionsmaßnahmen einer auf Konfliktvermeidung ausgerichteten Bejagung vorzuziehen sind.
Prof. Dr Tanja Straka von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ergänzte den Vortrag durch die Darstellung der Human-Dimension bei Mensch-Biber-Beziehungen in vom Menschen geprägten Landschaften. Sie ging der Frage nach, wie soziale, kulturelle und wirtschaftliche Aspekte, Verhaltensweisen, Einstellungen und Entscheidungen den Umgang mit Wildtieren beeinflussen und sich auf Managemententscheidungen auswirken.
Die wissenschaftlichen Vorträge wurden durch Niels Hahn (Biberbeauftragter des Regierungspräsidiums Stuttgart) abgerundet. Niels Hahn machte dabei deutlich, dass es im Sinne eines evidenzbasierten Ansatzes klug ist, die Eigenart der streng territorial lebenden Tierart zu nutzen. Dadurch kann eine gezielte Lenkung innerhalb des Reviers erfolgen, wodurch Folgekonflikte, die durch die zeitnahe Wiederbesiedelung neuer Individuen hervorgerufen werden, reduziert werden.
Im Anschluss an die Fachvorträge wurden unter der Frage „Braucht der Biber Regulierung?“ Statements aus dem Landesjagdverband Baden-Württemberg e. V., dem ökologischen Jagdverband Deutschland e. V. und dem Land Salzburg/Österreich vorgetragen.
Außerdem sprachen Grußworte Jochen Heinz, Erster Landesbeamter des Landkreis Göppingen, sowie Marc Kersting, Bürgermeister der Stadt Süßen.
Anlage
Begrüßung durch Regierungspräsidentin Susanne Bay (jpg)