Zum Inhaltsbereich Zur Hauptnavigation

Lesezeit:

Teilen via:

Archäologische Denkmalpflege

Archäologische Untersuchungen im römischen Zentralort von Neuenstadt am Kocher (Landkreis Heilbronn)

Untersuchungen lassen vermuten, dass Ansiedlung schon nach zwei Generationen aufgegeben wurde

Lesezeit:

Teilen via:

Die Senkrechtaufnahme zeigt die Freilegung eines repräsentativ gestalteten Steinkellers im rückwärtigen Teil des freigelegten Wohnhauses.

Seit 2003 führt das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart archäologische Untersuchungen in Neuenstadt am Kocher durch. Im Fokus steht die Funktion einer antiken Ansiedlung aus dem 2./3. Jahrhundert, die von Römern als Planstadt angelegt wurde.

In den 1980er-Jahren wurden nördlich des heutigen Neuenstadt am Kocher Ruinenreste einer römischen Stadt wiederentdeckt. Für das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart ist die einstige Planstadt seit vielen Jahren ein Schwerpunktprojekt. Galt es anfangs, Ausdehnung und Struktur der Ruinenreste festzustellen, ergründen die aktuellen Untersuchungen des LAD verstärkt die Funktion der antiken Ansiedlung. 

Der Fokus der aktuellen Kampagne liegt auf den bisher weitgehend unbekannten Wohn- und Arbeitsquartieren im Zentrum der antiken Stadt. Beispielhaft wurde nun eines von mehreren Privathäusern ausgegraben, deren rechteckige Strukturen sich bereits in geophysikalischen Untersuchungen abzeichneten. Archäologinnen und Archäologen vor Ort gehen dabei der Frage nach, wer das 9,5 x 12,5 Meter große Fachwerkgebäude bewohnte. 

„Vieles deutet darauf hin, dass sich Händler und Handwerker gezielt am Ufer des Kochers niederließen. Allerdings sprechen die spärlichen Funde dafür, dass das Haus nicht lange bewohnt war. Ähnlich verhielt es sich bei den öffentlichen Gebäuden des römischen Neuenstadt“, erläuterte Dr. Andreas Thiel, Fachgebietsleiter „Provinzialrömische Archäologie“ im LAD.

Damit verdichtet sich der Eindruck, dass die römerzeitliche Ansiedlung nach rund zwei Generationen schon wieder verlassen wurde. Hintergrund dürfte die zunehmende Gefahr durch die Germanen im damaligen römischen Grenzgebiet unmittelbar hinter dem Limes in den 230er-Jahren nach Christus gewesen sein.

Das LAD rechnet damit, dass die Untersuchung des aktuell freigelegten Steinkellers im Herbst 2026 abgeschlossen sein wird. 

Hintergrundinformationen 

Ein Vorbericht zu den aktuellen Untersuchungen erschien im neuen Band der Archäologischen Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2025: Klaus Kortüm, Andrea Faber, Privathäuser im römischen Neuenstadt am Kocher. S. 183-186.

Anlage:
Die Senkrechtaufnahme zeigt die Freilegung eines repräsentativ gestalteten Steinkellers im rückwärtigen Teil des freigelegten Wohnhauses. (Foto: LAD/Michelangelo Maugeri) (jpg)

Zurück