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B 39 Schemelsbergtunnel: Wiedereröffnung nach umfassender betriebs- und sicherheitstechnischer Nachrüstung (Landkreis Heilbronn)
Regierungspräsidentin Bay und Staatssekretärin Zimmer nehmen Tunnel wieder in Betrieb
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Nach etwas über zwei Jahren Bauzeit – seit Januar 2025 unter Vollsperrung – ist die Hauptbaumaßnahme der umfassenden betriebs- und sicherheitstechnischen Ertüchtigung des Schemelsbergtunnels im Zuge der B 39 abgeschlossen. Kernstück war die Herstellung eines parallel zur Tunnelröhre verlaufenden Rettungsstollens. Heute fand die Wiedereröffnung statt.
Mit einem Druck auf den Buzzer, der die Lichter steuert, hat Regierungspräsidentin und Tunnelpatin Susanne Bay gemeinsam mit der Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr, Elke Zimmer MdL, heute den Schemelsbergtunnel im Zuge der B 39 bei Erlenbach im Landkreis Heilbronn „zum Leuchten gebracht“ und damit wieder in Betrieb genommen. Nach rund zwei Jahren Bauzeit markiert dieser Akt den feierlichen Abschluss der Hauptbaumaßnahme für die umfassende sicherheitstechnische Nachrüstung des Tunnels, zu der auch die Herstellung eines neuen über 400 Meter langen Rettungsstollens gehörte.
Regierungspräsidentin Susanne Bay, die auch die Tunnelpatenschaft übernommen hatte, sagte bei der feierlichen Wiedereröffnung: „Wir haben den Schemelsbergtunnel umfassend nachgerüstet und damit auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Unsere Arbeiten haben auch inhaltlich viel Beachtung erfahren. Für die aufwendigen Arbeiten, gerade beim Bau des neuen Rettungsstollens, gilt allen Beteiligten mein herzlicher Dank.“ Bay betonte, dass das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) bereits seit 2018 Schritt für Schritt verschiedene technische und bauliche Maßnahmen im und um den Schemelsbergtunnel umgesetzt hat. „Tunnelsanierungen sind komplex und aufwendig. Daher dauerte die Vollsperrung auch etwas länger, als zunächst geplant. Für die Verkehrsteilnehmenden ist es eine gute Nachricht, dass mit der heutigen Wiederinbetriebnahme des Tunnels die rund 14 Monate dauernde Vollsperrung ihr Ende findet. Auch ihnen gilt mein Dank für ihre Geduld.“
Staatssekretärin Elke Zimmer erklärte: „Mit der Wiedereröffnung des Schemelsbergtunnels investieren wir ganz konkret in die Sicherheit der Menschen. Täglich nutzen rund 20.000 Fahrzeuge diese wichtige Verbindung zwischen dem Weinsberger Tal und Heilbronn. Der neue 431 Meter lange Rettungsstollen, die moderne Technik und das helle, zeitgemäße Erscheinungsbild sorgen dafür, dass dieser Tunnel nicht nur leistungsfähig, sondern vor allem deutlich sicherer ist.“
Auf den Stand der Technik gebracht / neuen Rettungsstollen gegraben
Der einröhrige, 676 Meter lange Schemelsbergtunnel, der zur Umfahrung Weinsberg zählt, wurde 1990 nach einer vierjährigen Bauzeit für den Verkehr freigegeben. Seine betriebstechnische Ausstattung entsprach bis 2018 dem Sicherheitsstandard von 1985. Aufgrund des Alters der verbauten Technik kam es immer wieder zu Störungen oder gar Ausfällen in der Betriebstechnik, was immer wieder zu kurzzeitigen Sperrungen führte.
Im Rahmen der ab November 2023 beginnenden Hauptbaumaßnahme wurde der Schemelsbergtunnel umfassend sicherheits- und betriebstechnisch ertüchtigt und auf den Stand der Technik gebracht. Hierfür wurden die gesamte Fahrbahn, die seitlichen Notgehwege und die gesamte darunter eingebaute Technik erneuert. Ein wesentlicher weiterer Aspekt ist auch die Erneuerung der Beleuchtung und das Aufbringen einer neuen weißen Beschichtung auf den Tunnelwänden, die sogenannte OSC-Beschichtung, wodurch der Tunnel ein helles und modernes Erscheinungsbild erhalten hat. Gerade aus Sicherheitsgründen ist Helligkeit im Tunnel von großer Bedeutung.
Kernstück der umfangreichen Maßnahme ist der Bau eines zur Tunnelröhre parallel verlaufenden Rettungsstollens, der an die Tunnelröhre durch zwei Querverbindungen angebunden ist und über den sich Personen im Notfall in Richtung Westen in Sicherheit bringen können. Der Rettungstollen verläuft in 25 Metern parallel zur Haupttunnelröhre und führt seitlich neben dem westlichen Tunnelportal ins Freie. Am Westportal wurde ein Portalvorplatz gebaut, über den das neue Rettungsstollenportalgebäude erreicht werden kann. Dort befindet sich außer der Betriebstechnik auch ein Löschwasserspeicherbecken und eine Druckerhöhungsanlage, das für im Brandfall benötigtes Löschwasser sorgt.
Bereits ab 2018 hat das RPS Teilbereiche des Tunnels an die vom Bund neugefassten Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb für Straßentunnel (RABT) angepasst.
Auch das Betriebsgebäude auf der östlichen Tunnelportalseite wurde baulich erweitert und die gesamte vorhandene Betriebstechnik einschließlich der wesentlichen Sicherheitseinrichtungen innerhalb des Tunnels erneuert. Im Außenfeld des Tunnels wurden wesentliche Verkehrseinrichtungen aufgebaut, sodass der ausgelöste Umleitungsverkehr bei erforderlichen Tunnelsperrungen – beispielsweise aufgrund von Wartungsarbeiten, Reparatur oder Reinigung – optimal geführt werden kann.
Die Kosten für die Hauptbaumaßnahme in Höhe von voraussichtlich 41,7 Millionen Euro trägt der Bund als Baulastträger. Darin eingeschlossen sind die Kosten der Vorabmaßnahmen, für die bereits 5,3 Millionen Euro Bundesmittel aufgewendet wurden.
Das Regierungspräsidium Stuttgart bedankt sich bei allen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern für ihr Verständnis für die Beeinträchtigungen während der Bauzeit.
Hintergrundinformationen:
Der 676 Meter lange, im Gegenverkehr betriebene, einröhrige Schemelsbergtunnel liegt östlich der Stadt Heilbronn. Die B 39 dient als Zubringer zu den Autobahnen A 6 und A 81, die im nahegelegenen Autobahnkreuz Weinsberg aufeinandertreffen. 1990 wurde der Schemelsbergtunnel nach vier Jahren Bauzeit für den Verkehr freigegeben.
In den Jahren 2018 bis 2020 wurden Teilbereiche des Schemelsbergtunnels bereits an die aktuellen Richtlinien für Straßentunnel (RABT 2006) angepasst. Andere Teilbereiche hatten noch den Sicherheitsstandard von 1985, der den heutigen Anforderungen nicht mehr genügt. In den Jahren 2022 bis 2023 wurden die Knotenpunkte der vorgesehenen Umleitungsstrecke ausgebaut und damit deren Leistungsfähigkeit deutlich erhöht.
Bereits seit November 2023 wurde an der B 39 im Bereich des Schemelsbergtunnels gearbeitet. Seit März 2024 gruben sich die Maschinen der Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus drei Baufirmen, parallel zur bestehenden Haupttunnelachse in den Berg. 431 Meter tief hat man sich in den Berg vorgearbeitet und rund 10.000 Kubikmeter Material aus dem Berg gebaggert sowie auch das Erdreich während der Arbeiten durch eine eigens aufgebracht Spritzbetonschicht gesichert.
Informationen zur Hauptbaumaßnahme finden Sie unter www.rp-stuttgart.de > Über uns > Abteilungen > Abteilung 4 > Referat 47.1 > Unsere aktuellen Maßnahmen > B 39 Schemelsbergtunnel.
Mit Blick auf die Hauptbaumaßnahme erfolgten außerdem umfangreiche Vorarbeiten:
2018 bis 2020
Das Betriebsgebäude oberhalb des Ostportals wurde erweitert und technisch neu ausgestattet, sodass nun per Richtfunkanlage der Anschluss des Tunnels zur integrierten Leitstelle Heilbronn (ILS) gegeben ist. Somit ist die Überwachung des Tunnels gemäß des Gefahrenabwehrplans der ILS rund um die Uhr gewährleistet. Die Datenübermittlung erfolgt über eine LWL-Glasfaserleitung an die Straßenmeisterei Abstatt, die die technische Ausstattung überwacht und bei Notwendigkeit zum Teil auch steuert.
In einem Radius von etwa zwei Kilometern außerhalb des Tunnels wurde die Umleitungsbeschilderung der Umleitungsstrecke verkabelt beziehungsweise funkgesteuert an den Tunnel angeschlossen. Dies betrifft Anzeigetafeln, LED-Verkehrszeichen sowie die Lichtsignalanlagen. So ist es möglich, dass im Bedarfsfall händisch oder bei hinterlegten Szenarien die Umleitungsstrecke aus der Ferne oder vom Tunnel aus automatisiert aktiviert werden kann. Innerhalb des Tunnels wurden Lichtdichtekameras, eine Brandmeldeanlage als auch Kohlenmonoxid-Messgeräte installiert.
2022 bis 2023
Im Hinblick auf die bevorstehende längerfristige Vollsperrung des Tunnels ab Januar 2025 wurden im Zuge der Umleitungsstrecke vier Kreuzungsbereiche dauerhaft erweitert beziehungsweise ertüchtigt. So wurden beispielsweise neue Abbiegespuren angelegt und vorhandener Abbiegespuren verlängert. Darüber hinaus wurden umweltrechtliche Ausgleichsmaßnahmen realisiert sowie Kampfmittelerkundungs- und Rodungsarbeiten durchgeführt.