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Naturschutz

„Denkendorfer Erlachsee“ wird auch über die Sommermonate ohne Wasser bleiben (Landkreis Esslingen)

Naturschutzgebiet profitiert langfristig von temporärer Trockenlegung

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Der „Denkendorfer Erlachsee“ bleibt auch über die Sommermonate 2026 trocken. Die gezielte Trockenlegung soll die ökologische Qualität des Sees langfristig verbessern. Besucherinnen und Besucher müssen sich weiterhin auf Einschränkungen einstellen.

Bereits im Oktober letzten Jahres wurde angekündigt, dass der als Naturschutzgebiet ausgewiesene „Denkendorfer Erlachsee“ ab Herbst 2025 vom Naturschutz-Fachreferat des Regierungspräsidiums Stuttgart abgefischt und vorübergehend trockengelegt werden soll. Ziele der Maßnahme sind die Umsetzung verschiedener Instandsetzungsarbeiten, die Entschlammung, das Abfangen nicht heimischer Fischarten und die Entfernung nicht heimischer Seerosen. Unabhängig davon wurden im Gebiet zusätzlich Verkehrssicherungsmaßnahmen an einzelnen Bäumen durchgeführt. Ursprünglich wurde in einer Medienmitteilung am 13. Oktober 2025 darüber informiert.

Da im Herbst letzten Jahres noch nicht genau abgeschätzt werden konnte, wie schnell sich die Schlammauflage im See abbaut, ob die illegal ausgesetzten Sonnenbarsche vollständig entnommen und die Seerosen entfernt werden können, blieb offen, wann der See wieder bespannt, also wieder mit Wasser befüllt wird. Mittlerweile liegt der See weitgehend trocken, soll jedoch zur optimalen Realisierung der naturschutzfachlichen Ziele auch während der Sommermonate ohne Wasser bleiben, also „gesömmert“ werden. Im Herbst 2026 wird der See dann wieder langsam aufgestaut. Für die am Erlachsee vorkommenden Amphibien wurden bereits 2024 Ausweichgewässer im nördlichen Bereich des Naturschutzgebiets geschaffen. Der Rundweg um den Erlachsee bleibt weiterhin gesperrt.

Hintergrundinformationen:

Der Denkendorfer Erlachsee ist eine der wenigen Naturinseln auf den Fildern und ein Lebens- und Rückzugsraum für Tier- und Pflanzenarten, die aus der intensiv bewirtschafteten Feldflur verdrängt wurden. Daher hat das Regierungspräsidium Stuttgart den See und seine nähere Umgebung 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Alte Weiden, Pappeln, Eschen und Schwarz-Erlen am Seeufer bieten Bruthöhlen für Fledermäuse, Vögel und Insekten. Der See samt eines kleinen Erlen-Bruchwalds und eines Schilfröhrichts beherbergt zahlreiche Wasservögel, Amphibien und Insekten. In diesem Naturschutzgebiet befinden sich 145 Pflanzen- und 90 Tierarten. Die Erdkröte hat hier eines der größten Vorkommen im Landkreis Esslingen. 43 Vogelarten und 23 Libellenarten wurden festgestellt, zum Beispiel Sumpfrohrsänger und Große Königslibelle.

Die Entstehung des Erlachsees reicht viele Jahrhunderte zurück. Mönche des Klosters Denkendorf legten den See im Jahr 1129 zur Karpfenzucht an. Eine feuchte Senke riegelten sie mit einem Damm ab. Nach der Säkularisation des Klosters 1535 kam der Erlachsee in den Besitz der Staatsforstverwaltung. Diese verpachtete den See als Fischgewässer und verkaufte das umliegende Land an Landwirte. Um den Ertrag zu steigern, wurde der feuchte Boden drainiert. 1963 wurde die bis dahin in einem offenen Graben zum See abfließende Quelle gefasst und zusammen mit Drainageleitungen unterirdisch in den See geführt. Im Winter 1980 ließ die damalige Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart den Erlachsee ausbaggern und entschlammen. Nach der Ausweisung als Naturschutzgebiet 1989 legte man die südlich des Weihers gelegene Quelle wieder frei und verwandelte den an dieser Stelle bis zum Ufer reichenden Acker in eine Brachfläche. Seit die Düngung in der umgebenden Wasserschutzzone eingeschränkt wurde, ist die Nitratbelastung des Sees deutlich gesunken. Beim Ausbau der angrenzenden Landesstraße baute das Straßenbauamt ein Amphibien-Leitsystem mit Zäunen und Krötentunnels auf, damit Kröten, Frösche und Molche nicht überfahren werden. Dem Erlachsee benachbarte, kleinere Tümpel, ebenfalls für die lokale Amphibienfauna – vor allem Erdkröten – bedeutend, wurden bereits im letzten Jahr im Auftrag des Referats für Naturschutz- und Landschaftspflege des RPS entschlammt. Durch die zusätzliche Entfernung beschattender Gehölze konnte hier wieder eine größere, besonnte Wasserfläche geschaffen werden.

Mehr Informationen zu Naturschutzgebieten sind auf dem gemeinsamen Themenportal der Regierungspräsidien Baden-Württemberg unter rp.baden-wuerttemberg.de/themen > Umwelt > Natur- und Artenschutz > Naturschutzgebiete abrufbar.

Anlagen
Bild: Naturschutzgebiet Denkendorfer Erlachsee. Foto: Ulrike Kreh (JPG)

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