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Internationaler Tag des Kulturerbes unter Wasser
Gefährdete Zeugnisse vergangener Epochen
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Am 21. August findet der „Internationale Tag des Kulturerbes unter Wasser“ statt. Vor diesem Hintergrund macht das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart auf die Bedeutung von archäologischen Kulturdenkmalen unter Wasser aufmerksam und weist auf ihre Gefährdung hin.
Der 21. August wurde von der UNESCO zum „Internationalen Tag des Kulturerbes unter Wasser“ erklärt. Aus diesem Anlass macht das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart darauf aufmerksam, dass unser Kulturerbe im Wasser durch illegale Bergungen, kommerzielle Ausbeutung des Seebodens, touristische Nutzung und durch den Klimawandel (Niedrigwasser, Trockenheit, Stürme) gefährdet ist.
Nicht nur an Land findet sich ein reiches kulturelles Erbe, sondern auch unter der Wasseroberfläche. Am Grund der Gewässer schlummern archäologische Zeugnisse, die von erheblicher Bedeutung für das Verständnis vergangener Zeiten sind. Auch Baden-Württembergs Seen, Flüsse und Moore bergen zahlreiche Zeugnisse aus unterschiedlichen Epochen. Bisher ist nur ein Bruchteil von ihnen bekannt.
Fast am gesamten baden-württembergischen Ufer des Bodensees sowie aus Mooren und Seen Oberschwabens sind Seeufer- und Moorsiedlungen, Brücken, Wege und Stege sowie Wasserfahrzeuge aus der Stein- und Bronzezeit bekannt (s. Abb. 1). Sie werden seit mehr als 40 Jahren durch die archäologische Denkmalpflege betreut, erfasst, erforscht und geschützt. Auch aus späteren Epochen wie dem Mittelalter und der Neuzeit sind Denkmale unter Wasser bekannt, etwa Fischfanganlagen, Landestellen, Annäherungshindernisse, verlorene Ladung und untergegangene Schiffe.
Untersuchung von Schiffs- und Flugzeugwracks im Bodensee
„Seit 2022 erkundet die archäologische Denkmalpflege im Rahmen des Projekts ‚Wracks und Tiefsee‘ systematisch den Grund des Bodensees, um bisher nicht bekannte Wracks von Schiffen und Flugzeugen aufspüren, dokumentieren und schützen zu können“, erläutert Dr. Julia Goldhammer, Projektleiterin und Oberkonservatorin im Fachgebiet Feuchtbodenarchäologie des LAD in Hemmenhofen.
Alexandra Ulisch, Unterwasserarchäologin und Mitarbeiterin im Projekt ergänzt: „Dabei kommt unser ROV, ein ferngesteuerter Unterwasserroboter, zum Einsatz, der von unserem Arbeitsboot aus in die Tiefen des Sees geschickt wird“ (s. Abb. 2). Auch die Tauchgruppe des LAD ist zum Erkunden, Dokumentieren, Erforschen und Schützen des Unterwasserkulturerbes im Einsatz (s. Abb. 3).
„Das Land Baden-Württemberg ist derzeit die einzige Denkmalbehörde der Bundesrepublik Deutschland, die eine entsprechende Tauchgruppe im Einsatz hat. Zur Betreuung des Unterwasserkulturerbes sind solche spezialisierten Teams unabdingbar“, meint Prof. Dr. Dirk Krausse, Landesarchäologe am LAD.
Die gewonnenen Erkenntnisse des Projektes, die das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen finanziell ermöglicht hat, bilden die Grundlage für ein archäologisches Inventar der Bodenseewracks und liefern wichtige Informationen zum Zustand und zur Gefährdung dieser bislang kaum erfassten Kulturgüter (s. Abb. 4).
Klimawandel setzt Kulturdenkmalen in Gewässern und Feuchtbodengebieten zu
Auch in Mooren und Auen sowie in den Flachwasserzonen der Seeufer haben sich archäologische Denkmale wie Siedlungen, Brücken oder Wege exzellent erhalten.
„Unter Wasser haben sich Objekte aus organischen Materialien über Jahrtausende erhalten, die über Wasser im mineralischen Boden schon längst zersetzt wären. Doch die derzeitigen Klimaveränderungen sind eine große Gefahr für unsere archäologischen Zeugnisse. Der Klimawandel wird in Zukunft häufiger Dürreperioden verursachen. Dadurch trocknet der Boden aus und mit ihm die kulturellen Hinterlassenschaften. Der Schutz dieser Denkmale ist daher von großer Bedeutung“, sagt Dr. Renate Ebersbach, Leiterin des Fachgebietes Feuchtbodenarchäologie am LAD.
Zuständigkeiten im Denkmalschutz sind nicht überall geregelt
Teile von Deutschlands Meeren und Seen befinden sich in Gebieten, deren denkmalpflegerische Zuständigkeit bisher nicht geklärt wurde. Dazu gehört auch ein Teil des Bodensees. Eine Ratifizierung des UNESCO-Übereinkommens zum Schutz des Unterwasserkulturerbes von 2001 durch Deutschland und Österreich könnte die Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene weiter stärken. Am Bodensee sprechen sich die Denkmalpflegebehörden der Anrainer (Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, St. Gallen, Thurgau) derzeit ab und agieren gemeinsam im Sinne der Denkmale.
„Das archäologische Kulturerbe unter Wasser gehört zu den spannendsten und zugleich gefährdetsten Zeugnissen unserer gemeinsamen Geschichte. Ihre Bedeutung zeigt sich auch in der Anerkennung der ‚Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen‘ als UNESCO-Welterbe der Kultur“, sagt Dr. Sarah Scoppie, Archäologin und Referentin für das Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ am LAD.
Weitere Informationen
Die unter Wasser erhaltenen organischen Materialien sind eine wichtige Informationsquelle, um das Leben in vergangenen Zeiten zu rekonstruieren. Hierbei helfen die Dendrochronologie und die Archäobotanik des LAD. Das Dendrochronologische Labor Hemmenhofen kann beispielsweise anhand der Jahrringe das Fälldatum der Bäume bestimmen, aus denen Holzbauten oder Holzobjekte hergestellt wurden (s. Abb. 5). Darüber hinaus kann die Dendrochronologie Aussagen zur Waldnutzung treffen. Welche Pflanzen Menschen in früheren Zeiten angebaut und genutzt haben, kann das Labor für Archäobotanik in Hemmenhofen bestimmen. Hier werden Samen und Pflanzenteile analysiert und die im Sediment erhaltenen Pollen ausgewertet, die Rückschlüsse zur Landschaft in früheren Zeiten geben (s. Abb. 6). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieser Fachrichtungen können uns berichten, wie die Umwelt und Ökonomie in der Vergangenheit ausgesehen haben. Das gelingt ihnen dadurch, dass sich Umweltarchive und Hölzer in wassergesättigten Sedimenten erhalten haben. Werden diese Umweltarchive zerstört, beispielsweise durch Austrocknung bei Niedrigwasser und Dürre (s. Abb. 7), sind solche Rückschlüsse auf die Vergangenheit nicht mehr möglich.
Für die Bewahrung von Objekten, die aus den Sedimenten am Gewässergrund geborgen werden, ist die Nassholzkonservierung des LAD von enormer Bedeutung. Nur mit Hilfe dieser speziellen Art der archäologischen Restaurierung ist es möglich, Gegenstände wie das älteste Wasserfahrzeug des Bodensees, einen über 4.200 Jahre alten Einbaum (s. Abb. 8) vor dem Zerfall zu bewahren. Dieses prähistorische Kanu musste geborgen werden, weil die Gefahr bestand, dass es im Flachwasser beschädigt worden wäre. Andere Objekte liegen noch an Ort und Stelle, zum Beispiel die frühmittelalterliche Pfahlreihen vor der Reichenau (Kreis Konstanz, s. Abb. 9), die als Annäherungshindernisse dienten, oder die frühneuzeitlichen Fundamente einer Mühle im Konstanzer Trichter (Kreis Konstanz, s. Abb. 10). Sie werden von der Denkmalpflege überwacht. Das Monitoring von Fundstellen unter Wasser und im Moor ist wichtig, um Gefährdungen frühzeitig festzustellen und Schutzmaßnahmen für den Erhalt des kulturellen Erbes umsetzen zu können – insbesondere in Zeiten des Klimawandels.
Expertinnen und Experten zum Unterwasserkulturerbe in Deutschland und angrenzender deutschsprachiger Länder sind in der Kommission für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie des Verbandes der Landesarchäologien organisiert: https://www.landesarchaeologien.de/kommissionen/unterwasserarchaeologie.
Anlagen:
Abb. 1: Starke Erosion am Seegrund ist eine Gefahr für Pfähle, hier beispielsweise an der ehemaligen Seeufersiedlung Unteruhldingen-Stollenwiesen (Bodenseekreis, Baden-Württemberg). Werden die Pfähle komplett freigelegt, fallen diese um und gehen verloren. Foto: LAD/Submaris, Florian Huber. (jpg)
Abb. 2: Der Tauchroboter des LAD im Regierungspräsidium Stuttgart wird zum Abtauchen ins Wasser gelassen. Foto: LAD/Tina Schüßler. (jpg)
Abb. 3: Zwei Mitglieder der Tauchgruppe des LAD bei Ausgrabungsarbeiten am Schiffswrack W338 im Bodensee. Foto: LAD/Julia Goldhammer. (jpg)
Abb. 4: Sedimentbedecktes Deck eines vollständig erhaltenen hölzernen Lastsegelschiffs (W447) am Grund des Bodensees, Blick Richtung Heck. Foto: LAD/ISF der LUBW, Marcel Edel. (png)
Abb. 5: Jahrringmessung an einer Holzprobe im Dendrochronologischen Labor Hemmenhofen. Foto: LAD. (jpg)
Abb. 6: Laminierte Seesedimente aus Bad Waldsee (links) und die darin konservierten Pollenkörner, die unter dem Mikroskop sichtbar werden (rechts). Foto: LAD/Sara Saeidi. (jpg)
Abb. 7: Drohnenaufnahme der Flachwasserzone am Reichenauer Damm bei Niedrigwasser im April 2025, Pegel Radolfzell bei 237 cm. Foto: LAD/Paul Scherrer. (jpg)
Abb. 8: Ein Forschungstaucher beim Reinigen des freigelegten Einbaums im Seerhein bei Konstanz. Foto: LAD/Submaris, Florian Huber. (jpg)
Abb. 9: Taucharbeiten an den spätkarolingischen Pfahlreihen vor der Insel Reichenau. Foto: LAD/UwArc, Martin Mainberger. (jpg)
Abb. 10: Hölzerne Fundamente der ehemaligen Walkmühle im Konstanzer Trichter. Foto: LAD/Julia Goldhammer. (jpg)