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Bau- und Kunstdenkmalpflege

Landesamt für Denkmalpflege - Neue Publikation befasst sich mit Geschichte und Bedeutung des Betonbaus in Baden-Württemberg

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Bild zeigt Buchcover "Betonbau in Baden-Württemberg"

Beton hat das Bauen revolutioniert und neue architektonische Möglichkeiten eröffnet. Die neue Publikation des Landesamts für Denkmalpflege beleuchtet die Geschichte des Betonbaus in Baden-Württemberg – von frühen Experimenten bis zu wegweisenden Ingenieur- und Sichtbetonbauten.

Beton hat das Bauen bautechnisch und gestalterisch revolutioniert und Bauwerksformen und Gebäudegrößen möglich gemacht, die im traditionellen Bauen mit Holz und Stein nicht annähernd umsetzbar gewesen wären.

Der Geschichte und Bedeutung des Betonbaus in Baden-Württemberg war in den vergangenen Jahren ein Projekt in der Landesdenkmalpflege gewidmet. Dessen Ergebnisse wurden nun in der Publikation „Betonbau in Baden-Württemberg. Geschichte und Entwicklungen im Hochbau“ des Landesamts für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart veröffentlicht.

Ziel dieses Projektes war es, die besondere Bedeutung und die Entwicklung des Betonbaus in Baden-Württemberg zu dokumentieren und dessen architektur- und technikgeschichtliche Leistungen anhand ausgewählter Bauwerke herauszuarbeiten. Ein zweiter Projektabschnitt befasste sich mit dem praktischen Umgang mit Denkmalen aus Beton. Auch dazu ist eine Publikation in Vorbereitung.

Baden-Württemberg spielt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Entwicklung und Anwendung von Betonen eine wichtige Rolle. Das zeigen die vielen frühen Zementwerke ebenso wie zahlreiche frühe Ingenieur- und Hochbauten aus Beton. Das 1867 erbaute Bahnwärterhaus bei Blaubeuren auf der Schwäbischen Alb gilt als das älteste erhaltene Gebäude aus Beton in Deutschland. 1872 ließ sich dann der Textilindustrielle Oscar Merkel aus Esslingen am Neckar eine Villa aus Stampfbeton errichten. Beide Gebäude besitzen wegen ihrer experimentellen Bauweise außerordentliche Bedeutung.

Im Kontext der Entwicklungsgeschichte des Betonbaus wurden über eine Zeitspanne von über 100 Jahren ausgewählte Bauwerke des Hochbaus aus Baden-Württemberg betrachtet. Viele der beschriebenen Ausführungen sind zeittypisch, manche ein bauliches Unikum und andere Wegbereiter moderner Architektur. Die gesammelten bautechnischen, ingenieurwissenschaftlichen und betontechnologischen Erkenntnisse bilden nicht nur eine Grundlage zur Bewertung des Baubestands. Gleichermaßen lässt sich mit diesem reich bebilderten Band auch ein wichtiger Teil der Wirtschaftsgeschichte des Landes Baden-Württemberg sichtbar machen.

„Die Grenzen des Machbaren verschoben sich in den folgenden Jahrzehnten durch ingenieurtechnische Entwicklungen wie den Schalen- und den Spannbetonbau immer weiter“, so Dr. Claudia Mohn, Referatsleiterin im Landesamt für Denkmalpflege. 1953 entstand Europas erstes selbsttragendes Hängedach aus Spannbeton mit einer Schalendicke von knapp sechs Zentimetern – die Schwarzwaldhalle in Karlsruhe. Durch die Verbindung der Vorteile des Schalen- mit denen des Spannbetonbaus ist auch Fritz Leonhardt beim Entwurf des Gründungskörpers vom Stuttgarter Fernsehturm eine statisch-konstruktiv geniale Lösung gelungen.

Während die frühen Konstruktionen häufig noch mit traditionellen Materialien verblendet wurden beziehungsweise der Beton wie Werkstein verarbeitet wurde, entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Sichtbetonbauwerke. Der rohe, von der Schalung geprägte Beton – béton brut – entwickelte sich zu einem besonderen Stilmittel. Viele dieser teilweise kontrovers diskutierten Bauten sind heute von Abriss oder Umgestaltung bedroht. Gerade diese oft skulptural gestalteten Sichtbetonbauten mit glatten, sorgfältig geschalten Oberflächen benötigen einen besonders aufmerksamen Umgang mit dem Baustoff.

Hintergrundinformationen

Geraldine Buchenau: Betonbau in Baden-Württemberg. Geschichte und Entwicklungen im Hochbau. Regierungspräsidium Stuttgart – Landesamt für Denkmalpflege, Forschungen und Berichte der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg, Band 23, Ostfildern 2026, 286 Seiten mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen, ISBN 978-3-7995-2023, 39,00 Euro
Zu beziehen über den Buchhandel oder den Jan Thorbecke Verlag.

Buchcover (jpg)
 

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