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Artenschutz

Rückkehr der Glänzenden Seerose

Auspflanzaktion im Fichtenauer Mühlweiher erfolgreich abgeschlossen

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Auspflanzaktion

Im Mühlweiher bei Fichtenau wurde die in Baden-Württemberg hoch bedrohte Wasserpflanze heute wiederangesiedelt. Die Auspflanzaktion ist ein weiterer Erfolg des Artenschutzprogramms Baden-Württemberg und zeigt, wie die enge Zusammenarbeit von Naturschutzverwaltung und Forschungseinrichtungen zum Erhalt seltener Pflanzenarten beiträgt.

Am heutigen Freitagvormittag, 14. August 2026, wurde eine besondere Aktion im Mühlweiher bei Fichtenau durchgeführt: Die Wiederansiedlung der Glänzenden Seerose, einer hoch bedrohten Wasserpflanze, die in Baden-Württemberg nur noch in wenigen Gebieten vorkommt. Organisiert und begleitet wurde die Aktion von Fachleuten der Naturschutzverwaltung des Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS) und der Wilhelma.

Von der Glänzenden Seerose gab es 1990 nur noch vier blühende Vorkommen in Baden-Württemberg. Dank des Artenschutzprogramms (ASP) gelang es, die Art in den letzten 20 Jahren zu stabilisieren. Hiervon haben auch viele andere Arten profitiert.

Die nach Aprikosen duftende Kleine Seerose - wie die Art auch genannt wird - kommt im Schwäbisch-Fränkischen Wald seit jeher vor allem in schon länger aufgestauten Fischweihern vor. Sie ist empfindlich gegenüber Eutrophierung, also erhöhten Nährstoffeinträgen und zu intensiver Fischzucht. In Baden-Württemberg ist die Glänzende Seerose eine Besonderheit. Ihr Verbreitungsschwerpunkt erstreckt sich über Zentraleuropa und Skandinavien. Die Vorkommen in Fichtenau und dem benachbarten Wört bilden die westlichen Ausläufer der Art.

Regierungspräsidentin Susanne Bay, der stellvertretende Wilhelma-Direktor Volker Hess, Bürgermeisterin Anja Schmidt-Wagemann und Sandra Hackert von der Stiftung Naturschutzfonds unterstützten die Auspflanzaktion tatkräftig.

„Es ist großartig, diese seltene Pflanzenart heute wieder in ihr ursprüngliches Zuhause zurückbringen zu können“, betonte Regierungspräsidentin Susanne Bay. „Die Wiederansiedlung ist ein wichtiger Schritt im Artenschutzprogramm Baden-Württemberg. Sie macht deutlich, dass durch gemeinsame Anstrengungen von Naturschutzbehörden und Forschungseinrichtungen der Schutz hoch bedrohter Arten möglich ist.“

Bürgermeisterin Schmidt-Wagemann sagte: „Die Rückkehr der Glänzenden Seerose ist für Fichtenau etwas ganz Besonderes. Dass diese seltene Pflanze wieder an einem ihrer historischen Standorte angesiedelt werden kann, ist ein schönes Zeichen für erfolgreichen Artenschutz. Mein Dank gilt allen Fachleuten, die dies ermöglicht haben. Ich hoffe sehr, dass sich die Glänzende Seerose im Mühlweiher dauerhaft wieder heimisch fühlt und ihre Blüten künftig viele Menschen für die Schönheit und zugleich die Schutzbedürftigkeit unserer heimischen Natur sensibilisieren.“

Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin, der vor Ort von Volker Heß vertreten wurde, betonte anlässlich der Aktion: „Die Wilhelma unterstützt rund 40 Artenschutzprojekte in aller Welt mit rund einer Million Euro pro Jahr. Tagtäglich engagieren wir uns zudem in der Erhaltungszucht für bedrohte Pflanzen und Tiere. Artenschutz bedeutet aber längst nicht nur, spektakuläre Arten wie das Sumatranashorn vor dem Aussterben zu bewahren. Wir sind sehr froh darüber, dass wir in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Stuttgart zum Erhalt einheimischer Arten bei uns in Baden-Württemberg beitragen dürfen.“

Alte Quellen bestätigen, dass auch der Mühlweiher einst von den weißen Blüten der glänzenden Seerose geziert wurde. Unklar ist, wann sie dort ausstarb. Die Individuen der Glänzenden Seerose, die nun hier wiederangesiedelt wurden, stammen ursprünglich aus dem nahe gelegenen Hammerweiher. Dort haben sich die Lebensraumbedingungen aufgrund einer zunehmenden Verschlammung verschlechtert. 2024 entschloss sich deshalb das Regierungspräsidium Stuttgart diesen Weiher zu sanieren. Vor Beginn der Maßnahmen wurden die glänzende Seerose geborgen und im Botanischen Garten der Wilhelma in Stuttgart zwischengehältert. Die Maßnahmen am Hammerweiher konnten aufgrund infrastruktureller Probleme noch nicht abgeschlossen werden.

Ungefähr zeitgleich sanierte das RPS den etwas südlich des Ursprungsgewässers liegenden landeseigenen Mühlweiher ebenfalls mit Projektmitteln der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg. Nun weist er wieder eine gute Wasserqualität auf. Die Ufer wurden zudem stellenweise flacher ausgestaltet, so dass insgesamt der Lebensraum für die Tier – und Pflanzenarten des Freiwassers sowie des sogenannten amphibischen Bereichs entlang des Ufers deutlich verbessert und ausgeweitet wurde. Etwa ein Jahr nach dem erfolgreichen Abschluss der Maßnahme, konnte jetzt auch die ehemalige Bewohnerin des Weihers, die Glänzende Seerose, wieder in ihr altes Zuhause einziehen. Die Fichtenauer Bürgerinnen und Bürger werden sich hoffentlich bereits kommendes Jahr von Juni bis September an ihren Blüten erfreuen können. Die Sanierung des Hammerweihers selbst ist noch nicht abgeschlossen.

Ein Teil der Seerosen-Population verbleibt in der Wilhelma und wird von den Gärtnern weiterhin in großen Wannen mit Seerosensubstrat und Frischwasser gepflegt, bis eine Rückkehr in den Hammerweiher möglich ist.

Hintergrundinformationen

Das Artenschutzprogramm Baden-Württemberg (ASP) ist im Landes-Naturschutzgesetz verankert und bildet ein schnelles Handlungswerkzeug für hoch bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Im Rahmen des ASP werden Populationen stark bedrohter Arten erfasst, Schutzmaßnahmen definiert und umgesetzt. Das ASP ist ein zentrales Instrument zum Schutz der Artenvielfalt. Denn auch in Baden-Württemberg verlieren viele Tiere und Pflanzen durch veränderte Nutzung oder den Klimawandel zunehmend ihren Lebensraum.

Bilder
Quelle: jeweils Regierungspräsidium Stuttgart

Auspflanzaktion
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Nymphaea Candida (jpg)
Abgelassener Oberer Mühlweiher (jpg)

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