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Naturschutz

Start der Weidesaison im Naturschutzgebiet „Scheuelberg“ (Ostalbkreis)

Neue Informationstafel erläutert Lebensräume und Pflege des Naturschutzgebiets

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Infotafel Scheuelberg Ziegen

Mit dem Frühjahr kehrt auch die Herde der Schäferei Kirschbaum zurück ins Naturschutzgebiet Scheuelberg. Schafe und Ziegen helfen dabei, die für die Schwäbische Alb typischen Wacholderheiden offen zu halten. Sie leisten durch ihre „Landschaftspflege mit Biss“ einen unersetzlichen Beitrag zum Erhalt dieser Lebensräume und deren charakteristischen Arten.

Der Scheuelberg wurde 1998 vom Regierungspräsidium Stuttgart als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Er erstreckt sich zwischen Bargau und Heubach. Prägend für das 119 Hektar große Schutzgebiet ist das abwechslungsreiche Mosaik aus offenen Heideflächen, Wiesen und Wäldern. Ohne eine regelmäßige Beweidung würden sich Büsche und Bäume zunehmend auf den Wacholderheiden ausbreiten. In der Folge würden diese wertvollen Lebensräume für zahlreiche lichtliebende Tier- und Pflanzenarten verloren gehen, darunter auch gefährdete Arten, wie die Rotflügelige Schnarrschrecke oder der Libellen-Schmetterlingshaft.

Die fachgerechte Beweidung der Wacholderheiden durch die Herde der Familie Kirschbaum erfolgt in Abstimmung mit der Naturschutzverwaltung und dem Landschaftserhaltungsverband des Ostalbkreises. Da die Beweidung des mageren Grünlands heute nicht mehr wirtschaftlich ist, wird sie aus Mitteln der Landschaftspflegerichtlinie gefördert. Seit wenigen Jahren wird die schwere Arbeit der Schäferei durch einen elektrischen Weidezaun erleichtert. Auf rund acht Hektar sind dabei nicht nur die Wacholderheiden eingezäunt, sondern auch Randbereiche des angrenzenden Waldes. Der dort nach und nach entstehende Hutewald ist ebenfalls eine historische Kulturlandschaftsform mit hoher ökologischer Bedeutung. Hute- oder Weidewälder waren einst sehr verbreitet, weil das Vieh früher regelmäßig zur Futtersuche in den Wald getrieben wurde. Um den Wald aufzulichten, kommen am Scheuelberg auch Ziegen zum Einsatz. Sie verbeißen junge Gehölze und dornige Sträucher und tragen damit zu einer allmählichen Auflichtung des Waldes bei. So entsteht mit der Zeit ein fließender Übergang zwischen dichtem Wald und Offenland. Diese lichten Waldstrukturen beherbergen einzigartige Lebensräume für Flora und Fauna.

Wer mehr über die Beweidung und die Geschichte dieser besonderen Kulturlandschaften erfahren möchte, findet Informationen auf der neuen Informationstafel am Weg unterhalb der Beweidungsfläche im Naturschutzgebiet Scheuelberg. 

Die Beweidungssaison im Naturschutzgebiet Scheuelberg wird voraussichtlich bis in den Spätherbst andauern. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, das Gebiet zu erkunden und die Schafe und Ziegen bei ihrer Arbeit zu beobachten. Wir bitten jedoch darum, die Tiere nicht zu füttern oder zu beunruhigen. Deshalb sind Hunde an der Leine zu führen.

Hintergrundinformation:

Obwohl das Naturschutzgebiet „Scheuelberg“ etwa zu 90 Prozent bewaldet ist, bietet es eine Fülle verschiedener Lebensräume. Neben fast allen, für die Schwäbische Alb charakteristischen Buchenwald-Lebensraumtypen finden sich im Gebiet freiliegende Kalk-Felsen, Magerrasen, Wacholderheiden und Relikte eines ehemaligen Hutewaldes. In Kombination mit der hügelartigen Topographie finden sich am Scheuelberg auf kleinstem Raum verschiedenste mikroklimatische Bedingungen, aus denen wiederum eine große Artenvielfalt in Flora und Fauna resultiert. Bezeichnend für die Heiden des Scheuelbergs ist die bemerkenswerte Anzahl verschiedener Insektenarten wie Schmetterlingen, Wildbienen, Zikaden, Lauf- und Bockkäfer, Wanzen und Ameisen. Von den 366 in Baden-Württemberg bekannten Wespenarten kommen etwa 100 auf dem Scheuelberg vor. 

Die Wacholderheiden der Schwäbischen Alb sind durch jahrhundertelange Wanderschäferei entstanden und zählen heute zu den artenreichsten und landschaftlich reizvollsten Kulturlandschaften Baden-Württembergs. Da die traditionelle Nutzung vielerorts zurückgegangen ist, sind die an diese speziellen Lebensräume angepassten Tier- und Pflanzenarten heute oftmals stark im Rückgang begriffen oder gar vom Aussterben bedroht. Umso wichtiger ist die Pflege der verbliebenen Heideflächen.

Anlagen:
Bild 01: Infotafel Scheuelberg (JPG)
Bild 02: Wacholderheide (JPG)
Bild 03: Ziegen (JPG)

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