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Zweiter runder Tisch Neckarbrücke (Wehr- und Kanalbrücke) Besigheim (Landkreis Ludwigsburg)
Freigabe der Brücke ab Freitagabend, 25. September 2026 / weiterer runder Tisch im neuen Jahr geplant
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Heute trafen sich in Besigheim auf Einladung von Regierungspräsidentin Susanne Bay Teilnehmende aus Politik und Verwaltung zum zweiten runden Tisch zur Neckarbrücke (Wehr- und Kanalbrücke) Besigheim.
Nach den jüngsten Untersuchungen der Neckarbrücke Besigheim kann die Brücke ab Freitagabend, 25. September 2026, wieder für den Individualverkehr freigegeben werden. Voraussetzung ist eine Begrenzung auf Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von maximal 2,8 Tonnen. Fuß- und Radverkehr sowie Pkw bis zu diesem Gewicht können die Brücke damit wieder nutzen. Schwerere Fahrzeuge bleiben ausgeschlossen.
Grundlage für die Entscheidung sind die Ergebnisse eines Gutachtens von Untersuchungen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung von vergangener Woche. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass für die reduzierte Belastung das Material der Spannstähle insgesamt noch eine ausreichende Tragfähigkeit aufweist.
Öffnung unter klaren Sicherheitsvorgaben
Die nun vorgesehene Öffnung erfolgt ausdrücklich vorläufig und unter dem Vorbehalt der weiteren Entwicklung des Bauwerks. Um die Verkehrssicherheit in diesem Fall auch weiterhin zu gewährleisten, bleibt die Neckarbrücke durch das installierte Monitoring rund um die Uhr überwacht. Entscheidend ist die kontinuierliche Beobachtung der Bauwerksentwicklung. Sollte sich die Situation verschlechtern, muss die Brücke erneut geschlossen werden. Eine bauliche Höhenbegrenzung in Form eines Torbogens soll verhindern, dass Fahrzeuge mit einem höheren Gesamtgewicht als 2,8 Tonnen die Brücke befahren.
Die statischen Untersuchungen erfolgten auf Grundlage der Berechnung eines Lastmodells, das ein Befahren der Brücke mit Fahrzeugen bis 2,8 Tonnen einschließt. Da hier nicht alle erforderlichen Nachweise vollständig erbracht werden konnten, soll in den kommenden Wochen eine Querkraftverstärkung eingebaut werden. Vorgesehen ist der Einbau von rund 1.000 Ankerdübeln in engem Raster. Der Einbau soll grundsätzlich unter laufendem Verkehr erfolgen. Es kann jedoch vorübergehend eine halbseitige Sperrung erforderlich sein.
Neubau des Brückenzugs bleibt gemeinsames Ziel
Die Anwesenden bestätigten einstimmig, dass die vorübergehende Öffnung nichts am gemeinsamen Ziel ändert, schnellstmöglich den Brückenzug durch einen Neubau zu ersetzen und damit langfristig wieder eine leistungsfähige Verbindung für alle Fahrzeuge über den Neckar herzustellen.
Das Regierungspräsidium wird die Vorplanung noch in diesem Jahr abschließen. Im Frühjahr soll die Ausschreibung voraussichtlich veröffentlicht werden. Die Möglichkeit für eine funktionale Ausschreibung wird bis dahin geprüft. Dieses Verfahren ermöglicht es, die erforderlichen Funktionen und Anforderungen vorzugeben und den Bietern Spielraum für die konkrete technische Umsetzung zu lassen. Damit könnte die weitere Planung und der Bau schneller vorangebracht werden, um das Ziel, den Bau deutlich vor 2030 zu ermöglichen, zu erreichen.
Das Landesverkehrsministerium hat zugesagt, das Vorhaben zu unterstützen und die erforderlichen Prüfungen schnellstmöglich vorzunehmen – auch in den Bereichen Vergabe und Haushalt. Zugleich soll die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen fortgesetzt werden.
Auch der Landkreis Ludwigsburg arbeitet intensiv an den erforderlichen verkehrlichen Maßnahmen. Der Busverkehr wird aktuell bereits umgeleitet. Für den Schwerlastverkehr gilt weiterhin die bekannte Umleitung über Kirchheim. Für die Dauer des Neubaus und die damit verbundene Vollsperrung wird zudem eine großräumige Umleitung geprüft. In diesem Zusammenhang werden auch die vorgesehenen Umleitungsstrecken und relevanten Knotenpunkte gezielt ausgebaut und optimiert, um die Verkehrsabläufe während der Bauzeit möglichst leistungsfähig zu halten. Die während der Sommerferien eingesetzte Pförtnerampel hat sich bewährt. Sie kann nun wieder zurückgebaut werden.
Alle Beteiligten betonten abschließend, dass trotz der nun möglichen vorläufigen Öffnung die Arbeiten am Neubau mit hoher Priorität fortgeführt werden sollen. Ziel bleibt es, die Voraussetzungen für eine dauerhafte und sichere Querung des Neckars für alle Verkehrsteilnehmenden so schnell wie möglich zu schaffen.
Der nächste gemeinsame runde Tisch ist für Mitte Januar vorgesehen. Hier sollen Details zur Ausschreibung sowie der aktuelle Stand besprochen werden.
Status quo
Klar ist, dass die 1952 mit spannungsrisskorrosionsgefährdetem Spannstahl errichtete Neckarbrücke im Zuge der L 1115 aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nicht mehr saniert werden kann. Nachdem die Brücke bereits ab 19. Februar 2026 aufgrund von Brüchen in den Spannstahldrähten im Brückenteil oberhalb des Wasserkraftwerks abgelastet werden musste – und somit nur noch Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen sowie Bus- und Rettungsverkehr die Neckarbrücke nutzen durften – musste die Brücke ab 13. Juli 2026 aufgrund weiterer Brüche im Spannstahl oberhalb des Kraftwerks aus Sicherheitsgründen für den motorisierten Verkehr komplett gesperrt werden. Derzeit ist die Brücke nur für den Fuß- und Radverkehr nutzbar. Für den Busverkehr hatte das Landratsamt kurzfristig ein Umleitungskonzept veröffentlicht.
Die Ersatzneubauplanungen der Neckarbrücke als Brückenzug mit ihren drei Teilbauwerken sind äußerst komplex. Planerisch zu berücksichtigen sind neben der Einbindung ins bestehende Straßennetz unter anderem die Wehranlage sowie das Kraftwerksgebäude und Teile der Kraftwerkstechnik. Derzeit befindet sich die Neckarbrücke im RPS in der Vorplanung, darauf folgt die Entwurfsplanung. Die Vorplanung ist bereits in Abstimmung mit dem WSA hinsichtlich deren Belange wie Zugang von der Brücke zur Schleuse und Auszug aus den Technikräumen unter der Brücke. Die künftigen Planungsschritte und das konkrete Vorgehen werden zwischen RPS, WSA und Neckar AG / EnBW abgestimmt.
In der Vorplanung wurden verschiedene Varianten für die neu zu bauenden Bauwerke erarbeitet und gegeneinander abgewogen. Das Kriterium „Bauzeit“ ist seit den ersten planerischen Schritten Ende 2021 maßgeblich in die Abwägung eingeflossen – Planung und auch Bau sollen so schnell wie möglich erfolgen. Daher wurden auch Lösungsvarianten untersucht, die aus vorgefertigten Trägern bestehen und einen hohen Vorfertigungsgrad aufweisen. Diese könnten mit Kränen direkt an Ort und Stelle eingehoben beziehungsweise vor Ort montiert werden. Da allen die Bedeutung der Neckarbrücke klar ist, prüfen nun die zuständigen Stellen, welchen Beitrag sie zu einer Planungs- und Baubeschleunigung leisten können. Aufgrund der komplexen Thematik ist eine Beschleunigung nur möglich, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.
Hintergrundinformationen
Wehr- und Kanalbrücke (Neckarbrücke) Besigheim
Die Wehr- und Kanalbrücke in Besigheim, auch bekannt als Neckarbrücke, wurde in den 1950er-Jahren gebaut und wird täglich von mehr als 13.000 Fahrzeugen genutzt. Der Lkw-Anteil liegt bei etwa 4,2 Prozent. Aufgrund ihrer Bauweise als Spannbetonbrücke mit Spannstahl ist die Wehr- und Kanalbrücke anfällig gegenüber Spannungsrisskorrosion.
Die Brücke besteht aus drei Teilbauwerken. Das Teilbauwerk oberhalb des Wasserkraftwerks wird durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar (WSA) verwaltet, die anderen beiden Teilbauwerke durch das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS).
Brücken mit spannungsrisskorrosionsempfindlichem Spannstahl
Im Regierungsbezirk Stuttgart befinden sich im Zuge des Landes- und Bundesstraßennetzes 1.966 Brücken. Davon ist in 16 Brücken an Bundesstraßen und 12 Brücken an Landesstraßen spannungsrisskorrosionsempfindlicher Spannstahl verbaut. An diesen Brücken hat das RPS bereits in der Vergangenheit umfangreich Maßnahmen zu deren Schutz und Entlastung ergriffen, beispielsweise die Verkürzung der Intervalle für Bauwerksprüfungen, damit diese weiterhin sicher befahren werden können.
Teilnehmende des runden Tischs unter Leitung des RPS
- Regierungspräsidium Stuttgart: Regierungspräsidentin Susanne Bay, Heiko Engelhard (Leiter der Mobilitätsabteilung), Hermann Klyeisen (stellvertretender Leiter der Mobilitätsabteilung)
- Verkehrsministerium Baden-Württemberg: Stefan Heß (Leiter der Straßenbauabteilung) und Daniela Bayer (VM-Fachreferentin)
- LRA Ludwigsburg (Verkehrsbehörde Petra Flaisch, Straßenbauamt Ronald Stolz)
- Bürgermeister
Dr. Florian Bargmann (Besigheim)
Christoph Herre (Walheim)
Uwe Seibold (Kirchheim am Neckar)
Boris Seitz (Mundelsheim)
Mario Dittmann (Gemmrigheim) – wurde vertreten
Günther Pilz (Hessigheim) – wurde vertreten - Abgeordnete
Tayfun Tok MdL
Tobias Vogt MdL – wurde vertreten - Walter Braun, Leiter WSA und Jochen Bode, Fachbereichsleiter WSA
- Dr. Jörg Franke, EnBW-Konzernexperte Bauwerkssicherheit & Infrastruktur Wasserkraft