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Frühkindliche Bildung im Fokus: Bibliotheken als starke Partnerinnen für Kitas
Über 100 Teilnehmende informierten sich zum weiterentwickelten Orientierungsplan sowie zu Praxisprojekten in den Bereichen Sprach- und Medienbildung
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Am 27. April 2026 fand die Online-Informationsveranstaltung „Bildungspartnerschaft Bibliothek und Kita. Der weiterentwickelte Orientierungsplan für Bildung und Erziehung Baden-Württemberg in Theorie und Praxis“ statt. Sie wurde gemeinsam von allen vier Fachstellen für das öffentliche Bibliothekswesen bei den Regierungspräsidien Baden-Württemberg veranstaltet. Anlass war der weiterentwickelte Orientierungsplan, der 2025 erschienen ist. Teilgenommen haben über 100 Personen aus kommunalen öffentlichen Bibliotheken in Baden-Württemberg.
Am Vormittag stand der Orientierungsplan in der Theorie im Vordergrund. Daniela Jantos-Lange von der Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen Stuttgart hat in ihrem Vortrag die wichtigsten Kernelemente vorgestellt. Neben wichtigen Begriffserklärungen ist sie auch auf die definierten Leitprinzipien sowie die Bildungs- und Entwicklungsfeldmatrix eingegangen. Diese Elemente definieren die Arbeit des pädagogischen Fachpersonals in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege. Der Vortrag hatte zum Ziel, die Mitarbeitenden in Bibliotheken über die pädagogische Arbeit der genannten Einrichtungen zu sensibilisieren und erste Schnittstellen für eine Zusammenarbeit aufzuzeigen.
Kirsten Bresch vom Stadtmedienzentrum Karlsruhe ist in ihrem Beitrag auf das neu eingeführte Bildungs- und Entwicklungsfeld „Medienbildung“ eingegangen. Der Orientierungsplan bietet an unterschiedlichen Stellen Kooperationsmöglichkeiten zwischen Kita und Schule. Kirsten Bresch betonte, dass Medienbildung ein wichtiger Teil der frühkindlichen Bildung ist und dass Kinder bereits in der Kita lernen sollten, wie sie Medien nutzen und verarbeiten können. Die Kita sollte einen geschützten Rahmen bieten, in der mediale Erfahrungen ermöglicht werden. Bibliotheken können die Kitas hierbei unterstützen.
Im letzten Vortrag des Vormittags haben Julie Hamann und Jessica Gugel von der Kindertagesstätte Holzhausen über die Sprachbildung in der Kita gesprochen. Dabei standen die Bildungsgerechtigkeit und Zusammenarbeit mit der örtlichen Bibliothek im Fokus. Die beiden Referentinnen haben deutlich gemacht, dass jedes Kind ein Recht auf Bildung hat. Dabei sind öffentliche Bibliotheken wichtige Kooperationspartnerinnen, denn sie öffnen mit ihren Medien kostenfreie Welten für alle Kinder und fördern somit die sprachliche Entwicklung.
Am Nachmittag der Informationsveranstaltung wurden verschiedene Praxisprojekte vorgestellt, die bereits erfolgreich umgesetzt wurden.
Begonnen haben Katja Holstein-Gußmann und Yara Jasny von der Mediathek Denzlingen. Sie haben ihr Curriculum „Bibliothek – Kita – Elternhaus“ vorgestellt. Die Mediathek bietet seit vielen Jahren unterschiedliche Konzepte für Kinder und Eltern an, die sich bewährt haben. Die Angebote richten sich von den „Bücherbabys“ bis zu den Schulanfängern an unterschiedliche Altersgruppen, sodass die Kinder möglichst oft die Bibliothek besucht haben, bevor sie in die Schule kommen. Dadurch findet eine Lesesozialisation von „Klein auf“ statt.
Pia Seifried von der Stadtbibliothek Karlsruhe hat das Projekt „Medienzwerge – kreative digitale Medienarbeit in Kita und Bibliothek“ vorgestellt. Dieses wurde von dem Förderprogramm „Gemeinsam digital!“ von „Kultur macht stark“ gefördert. Die Bibliothek hat das Projekt gemeinsam mit einem Medienpädagogen sowie einer Kunsthistorikerin durchgeführt. Das Angebot hat sich an Kinder zwischen 4 und 5 Jahren gerichtet. Ziel war, kindliche Fantasie, Sprache und Medienbildung auf spielerische Weise zusammenzubringen und so die frühkindliche Medienerfahrung zu fördern. Bei dem Projekt wurden unterschiedliche Medien eingebaut und erfahrbar gemacht. Beispielsweise konnten eigene kurze Trickfilme und somit Medienprodukte erstellt werden.
Im letzten Vortrag hat Daniela Scheller die bibliothekspädagogischen Angebote der Stadtbücherei Geislingen an der Steige vorgestellt. Die Stadtbücherei hat durch die Förderprogramme „Total digital. Lesen und erzählen mit digitalen Medien“ und „Gemeinsam digital!“ Gelder generiert und damit die Angebote „Digitaler Erzählkoffer“ sowie „Auf Wanderschaft: Gemeinsam Digital“ entwickelt. Bei beiden Angeboten können Kindergartenkinder mit unterschiedlichen Medien Geschichten, Techniken und Sprache erleben. Daniela Scheller schult zu diesen Themen auch Kita-Fachpersonal und bietet hierzu regelmäßige Termine an. Auch diese Konzepte hat sie in ihrem Vortrag kurz vorgestellt. Generell basiert die bibliothekspädagogische Arbeit der Stadtbücherei auf ein aufeinander aufbauendes Spiralcurriculum für Kinder. Von Kleinkindern bis weiterführende Schulen bietet die Stadtbücherei unterschiedliche Angebote als wichtige Kooperationspartnerin für Bildungseinrichtungen an.