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Pflegeaktion im NSG Denkendorfer Erlachsee bei Denkendorf (Landkreis Esslingen)
Mahd der Teichbodenvegetation durch den Pflegetrupp des RPS
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Diese Woche fand eine nicht alltägliche Pflegeaktion des Regierungspräsidiums Stuttgart statt, bei der die Teichbodenvegetation des derzeit abgelassenen Erlachsees im Naturschutzgebiet Denkendorfer Erlachsee gemäht wurde. Die Aktion ist Teil der laufenden Sanierungsmaßnahmen zum Erhalt und zur langfristigen Sicherung des Naturschutzgebietes und der Artenvielfalt in diesem Gewässer.
Im Naturschutzgebiet (NSG) Denkendorfer Erlachsee fand die Tage die Mahd der im abgelassenen See aufgewachsenen Teichbodenvegetation durch den Pflegetrupp des Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS) statt. Die Maßnahme ist Teil der laufenden Sanierungs- und Aufwertungsmaßnahmen. So wurden unter anderem gebietsfremde Fische entnommen, sogenannte Mönchbretter zur Wasserstandsregulierung erneuert, die Schlammauflage im Erlachsee reduziert und Ufersicherungsmaßnahmen, zum Schutz gegen mögliche Grabaktivitäten des sich in Zuwanderung befindenden Bibers eingebracht.
Der Erlachsee besitzt aufgrund seiner Lage und seiner besonderen Lebensraumbedingungen eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung. Aufgrund der hohen Schlammauflage wurde der See nach dem Abfischen einer sogenannten Sömmerung unterzogen, das heißt der See wurde den Sommer über trockengelegt, sodass organische Zersetzungsprozesse eintreten und so die Schlammauflage im Weiher reduzieren. Zeitgleich kann sich auf den zeitweise trockengefallenen und nährstoffreichen Schlammböden eine artenreiche Vegetation aus hoch spezialisierten Pflanzenarten entwickeln.
„Diese Teichbodenvegetation ist an die besonderen Standortbedingungen angepasst und stellt einen wichtigen Bestandteil der biologischen Vielfalt im Naturschutzgebiet dar“, erläuterte Dr. Susanne Bonn, Sachgebietsleiterin Flächenschutz und Projektverantwortliche für die Sanierungsmaßnahmen am Erlachsee vom Referat 56 „Naturschutz und Landschaftspflege“ des Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS). „Damit die aufwachsende Biomasse zum Ende der Vegetationsperiode nicht im Weiher verbleibt und somit den gewünschten Effekt des Nährstoffentzuges entgegenwirkt, muss diese fachgerecht gemäht und aus dem Weiher heraustransportiert werden“, so Bonn weiter.
Dies stellte das RPS-Fachreferat vor eine große Herausforderung, da die speziellen Standortbedingungen eine Mahd mit herkömmlichen Maschinen erheblich erschweren.
„Bei der aktuellen Maßnahme kam die gesamte Bandbreite der Maschinen des Pflegetrupps des Referates 56 zum Einsatz“, erläuterte Timo Skorzak, Sachgebietsleiter Landschaftspflege im RPS-Referat 56. „Die Kollegen des Pflegetrupps haben die Fähigkeiten ihrer einzelnen Maschinen optimal eingesetzt und konnten so in Kombination mit ebenfalls notwendiger Handarbeit ein gutes Ergebnis auf diesem ungewohnten und schwierigen Terrain erzielen“.
Gezielte Pflege, auch bei speziellen Anforderungen
Großflächige Nasswiesen und Schilfbestände kommen im Regierungsbezirk Stuttgart nur in begrenztem Umfang vor. Die Maschinen des Pflegetrupps sind daher verstärkt für die Mahd an Steilhängen und auf Wacholderheiden ausgelegt.
Die hohe Bodenfreiheit der Maschinen, die auf den Wacholderheiden aufgrund der Steine und Baumstümpfe gebraucht wird, war in diesem Fall ebenfalls von Vorteil, da so ein Festfahren der Maschinen in dem teils noch schlammigen Untergrund verringert wurde. Durch das Anbauen zusätzlicher Räder konnte zudem der Bodendruck der einzelnen Maschinen auf ein Minimum reduziert werden.
Durch die Spezialanpassungen konnte ein Großteil der Teichbodenvegetation maschinell gemäht und herausgefahren werden. Die noch nassen Bereiche um den Bachlauf wurden anschließend manuell gemäht. Einzelne Teilbereiche verbleiben als Strukturelemente im See.
Mit der nun erfolgten Mahd endet die Trockenlegung des Erlachsees. Nachdem die noch anstehenden Modellierungs- und Sicherungsmaßnahmen im Dammbereich erledigt sind, wird der Erlachsee wieder aufgestaut und spätestens zu Beginn der Laich- und Vogelbrutzeit im Frühjahr 2027 wieder als Lebensraum und Naherholungsgebiet zur Verfügung stehen.
Hintergrundinformationen
Der Denkendorfer Erlachsee ist eine der wenigen Naturinseln auf den Fildern und ein Lebens- und Rückzugsraum für Tier- und Pflanzenarten, die aus der intensiv bewirtschafteten Feldflur verdrängt wurden. Daher hat das Regierungspräsidium Stuttgart den See und seine nähere Umgebung 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Alte Weiden, Pappeln, Eschen und Schwarz-Erlen am Seeufer bieten Bruthöhlen für Fledermäuse, Vögel und Insekten. Der See samt eines kleinen Erlen-Bruchwalds und eines Schilfröhrichts beherbergt zahlreiche Wasservögel, Amphibien und Insekten. In diesem Naturschutzgebiet befinden sich 145 Pflanzen- und 90 Tierarten. Die Erdkröte hat hier eines der größten Vorkommen im Landkreis Esslingen. 43 Vogelarten und 23 Libellenarten wurden festgestellt, zum Beispiel Sumpfrohrsänger und Große Königslibelle.
Die Entstehung des Erlachsees reicht viele Jahrhunderte zurück. Mönche des Klosters Denkendorf legten den See im Jahr 1129 zur Karpfenzucht an. Eine feuchte Senke riegelten sie mit einem Damm ab. Nach der Säkularisation des Klosters 1535 kam der Erlachsee in den Besitz der Staatsforstverwaltung. Diese verpachtete den See als Fischgewässer und verkaufte das umliegende Land an Landwirte. Um den Ertrag zu steigern, wurde der feuchte Boden drainiert. 1963 wurde die bis dahin in einem offenen Graben zum See abfließende Quelle gefasst und zusammen mit Drainageleitungen unterirdisch in den See geführt. Im Winter 1980 ließ die damalige Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart den Erlachsee ausbaggern und entschlammen. Nach der Ausweisung als Naturschutzgebiet 1989 legte man die südlich des Weihers gelegene Quelle wieder frei und verwandelte den an dieser Stelle bis zum Ufer reichenden Acker in eine Brachfläche.
Seit die Düngung in der umgebenden Wasserschutzzone eingeschränkt wurde, ist die Nitratbelastung des Sees deutlich gesunken. Im Rahmen der Sanierung der angrenzenden Landesstraße erneuerte der Straßenbau des Regierungspräsidiums Stuttgart das in die Jahre gekommene Amphibien-Leitsystem mit Leiteinrichtungen und Krötentunnels, damit die Erdkröten bei ihrer jährlichen Wanderung nicht überfahren werden.
Dem Erlachsee benachbarte, kleinere Tümpel, ebenfalls für die lokale Amphibienfauna – vor allem Erdkröten – bedeutend, wurden bereits im vergangenen Jahr im Auftrag des Referats für Naturschutz- und Landschaftspflege des RPS entschlammt. Durch die zusätzliche Entfernung beschattender Gehölze konnte hier wieder eine größere, besonnte Wasserfläche geschaffen werden. Davon profitieren insbesondere die im Gebiet vorkommenden Amphibien- und Libellenarten.
Fotos (Quelle: Regierungspräsidium Stuttgart):
Aufnahme des Mahdgutes mit einem Ladewagen (jpg)
Beräumung des Erlachsees (jpg)
Geräumte Fläche (jpg)
Herausfahren des Mahdgutes (jpg)
Mahd der Teichbodenvegetation (jpg)
Mahd der Vegetation (jpg)
Mahd mit Balkenmäher (jpg)
Schwaden des Materials (jpg)
Teilgemähte Fläche (jpg)